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Ein Nomadenzelt in Fechenheim

Das Kinder- und Familienzentrum Fechenheim (KiFaZ) feierte an einem der letzten warmen Sommertage sein zehnjähriges Bestehen mit einem fröhlichen Straßenfest in Frankfurt-Fechenheim. Neben Angeboten zur Familienbildung rund um Schwangerschaft, Geburt und die ersten Jahre mit Kleinkindern bietet das KiFaZ auch eine Kindertagesstätte in der Kinder aus zwanzig verschiedenen Nationen im Alter zwischen einem Jahr und zehn Jahren betreut werden.

Für diese Kinder und alle anderen Gäste des Straßenfestes gab es viel zu entdecken. Unter anderem auch das Konolino Nomadenzelt, das etwas versteckt im Garten des KiFaZ aufgebaut wurde. Schon ein paar Tage vor dem Fest war die Projektinitiatorin Zinnet Peken mit ihrem, im Rahmen des Kulturkoffers geförderten Projekt RAUM-VOR-STELLUNG im KiFaZ zu Besuch. An diesem besonderen Tag solle das Nomadenzelt ein offenes Angebot für die Kinder sein, so Zinnet Peken, man lasse sich überraschen, ob bei den vielen anderen Angeboten überhaupt Kinder kommen werden.

Eine Reise durch die Wüste
Aber es dauerte nicht lange, da war das Zelt bis zum Rand gefüllt mit Kindern, die wissen wollten, was es mit dem Zelt auf sich hat. Nachdem alle ihre Schuhe ausgezogen hatten, begaben sich die Kinder zusammen mit Zinnet Peken sowie einer Tänzerin und einem Musiker auf eine Fantasiereise, im Rahmen derer sie verschiedene reale und fantastische Räume erkundeten. Nach dem Beginn der Reise im Zelt bewegte sich die Gruppe durch den Garten des KiFaZ. Was für außenstehende Beobachter zunächst aussah wie eine vorbereitete Geschichte, die mit den Kindern durchgespielt wurde, war tatsächlich eine gemeinsam mit den Kindern erarbeitete Improvisation. Mit Hilfe von abstrakten Objekten wie Kegeln, Kartons und Bällen wurde die Fantasie der Kinder angeregt und sie wurden ermutigt, diese Objekte in den Spielverlauf einzubinden. So wurde schnell aus dem Garten des KiFaZ eine unendliche Wüste und aus einer einfachen Kiste ein Brunnen. Die Kinder wurden sich so spielerisch über ihre Umgebung und somit über die verschiedenen Räume, in denen sie sich bewegen, bewusst. Dabei wurden rasch eklatante Unterschiede deutlich: Wo im Zelt noch konzentrierte Stille herrschte, wurde draußen im Garten getobt.

Vom Nomadenzelt zum Theaterzelt
Als die erste Reise vorbei war, blieb ein Großteil der Kinder im Zelt – zu spannend waren die vielen Verkleidungen, die hier zur Verfügung standen. Spontan wurde ein Theaterstück inszeniert, für das jedoch zunächst noch das Publikum unter den Gästen des Straßenfestes akquiriert werden musste. Wie schon bei der Fantasiereise übernahm auch hier eine erwachsene Person die Rolle des Spielleiters, der allerdings nur den Rahmen und die Struktur vorgab – die Geschichte des Theaterstücks wurde während der Vorstellung von den Kindern improvisiert.

Im Laufe des Tages wurden noch mehrere Reisen unternommen und allerlei fantastische Orte besucht. Manche Kinder schienen an gar keinen anderen Angeboten des Straßenfestes mehr interessiert zu sein, andere setzten sich kurz mit in das Zelt und wandten sich dann wieder anderen Aktivitäten zu. Das Angebot war so offen gestaltet, dass ein Kommen und Gehen jederzeit möglich war. So war es für alle jungen Teilnehmer*innen problemlos möglich, das Angebot ganz nach ihren Bedürfnissen in Anspruch zu nehmen.

Text und Fotos: MB

 

Webredakteur-LKB

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