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FILMMOBIL unterwegs in Hessen, um Filmwissen zu vermitteln

Bei den diesjährigen SchulKinoWochen in Hessen konnte das Workshopprogramm des seit 2015 erstmals erprobten FILMMOBILs vor den Osterferien wieder rund 1000 Kindern und Jugendlichen Film als Kunstform näher bringen und das Film- und Kinoerlebnis für viele Schüler*innen in ganz Hessen bereichern.

FILMMOBIL – eine individuell maßgeschneiderte Workshopreihe
Inzwischen sind die Workshops zum Thema Film fester Bestandteil im Schulangebot geworden un d finden großen Anklang. Jeweils kombiniert mit einem Kinobesuch wurde der betreffende Film im Klassenverband mit einer/m Filmpädagog*in vor- oder nachbereitet. Hierbei wurde der Inhalt immer auch auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe angepasst. Beispielsweise sah sich die Arbeitsgruppe der „digitalen Heldinnen“ der Marienschule in Fulda den Dokumentarfilm „Pre-Crime“ an und diskutierete im Nachgang über die Themen Spannung, Inzenierung und Realität(en). Beim sogenannten Filmparcours lernten die Kinder spielerisch den Weg einer filmischen Umsetzung. Die Filmparcours fanden diesmal mit verschiedenen Klassen in drei Kinos in Bad Arolsen, Frankfurt und Friedrichsdorf statt. Dabei wurden zwei Spielfilme und ein Dokumentarfilm von den Kindern der 5. und 6. Klassen unter die Lupe genommen und unter den Fragestellungen wie Erzählperspektive, Genremerkmale oder Spannungsherstellung untersucht. Abwechslungsreiche Aufgaben und der spielerische Umgang mit analytischen Fragestellungen erleichterten den Kindern den Umgang mit Fachbegriffen.

Fokusthema Filmgenre
Da sich in diesem Jahr bei den SchulKinoWochen Hessen alles ums Thema Filmgenre drehte, ermöglichten die FILMMOBIL-Workshops einen vertieften Einblick für Interessierte. Sehr beliebt war es, die Genres im Schnelldurchlauf zu vergleichen, die typischen Merkmale herauszuarbeiten und auf ihre Funktionsweise hin zu analysieren. Dadurch traten Struktur und Zeichensetzung der unterschiedlichen Genres besonders stark hervor.

Intensivworkshop Storyboard
Ein mehrteiliger Intensivworkshop für eine Klasse bot eine intensivere Auseinandersetzung mit dieser filmischen Kategorie. Ein erstes Treffen vor Weihnachten führte in die Fragestellungen „Was ist Genre?“, „Welche kennt ihr?“, „Welche mögt ihr?“ und „Was ist typisch für die jeweiligen Genres?“ ein. Die Schüler*innen wählten sodann aus, mit welchem Genre sie sich näher beschäftigen wollten. Im Anschluss folgten noch weitere Vorbereitungstermine und schließlich das Highlight: der große Produktionstermin. Hier entstanden genrerepräsentative Fotos und die Schüler*innen konnten sich vor und hinter dem Fotoapparat beweisen. Abschließend wurden die entstandenen Fotos bei einer Werkschau interessierten Mitschüler*innen präsentiert.

Teilnehmerin Olivia L., 16 Jahre, berichtet aus dem Workshop
„Es ist nicht so, dass man uns gefragt hätte. Wir wurden einfach in das Projekt reingezogen – davon auszugehen, dass sich Schüler*innen der zehnten Klasse für Filme und Regie interessieren, ist auch nur legitim! Ein bisschen Enttäuschung machte sich anfangs bei uns breit, als wir, der Kunstleistungskurs der E-Phase der Schillerschule, erfuhren, es handele sich „nur“ um die Gestaltung von Storyboards und nicht um den „richtigen, echten Filmdreh“. Ein Storyboard ist eine Zusammenstellung von bildlichen Ausschnitten aus einem Film. Es dient den Akteur*innen beim Filmdreh als Orientierung, fungiert also als Planung für eine Filmszene oder den gesamten Film. Unsere Aufgabe bestand darin, in Gruppenarbeit ein aus sechs Fotos bestehendes Storyboard zu entwerfen, welches ein ausgewähltes Genre repräsentiert. Es gibt, wie auch im Bereich der Musik, zahlreiche Genres: Horror, Science-Fiction, Drama, Fantasy, Thriller, Krimi, (Anti-)Kriegsfilm … und Mystery. Wie stellt man das Genre Mystery in nur sechs Fotos dar? Unsere Gruppe stritt sich anfangs viel zu lange über die Filmstory. Es ist ja auch schwer, sich von jetzt auf gleich gemeinsam ein ganzes Drehbuch auszudenken und davon dann sechs Augenblicke auszuwählen. „Macht mal“, war die Devise, was jedoch nicht meint, dass wir im Unterricht und in den Workshops keine Vorarbeit geleistet hätten. „Das ist zu typisch“, war ein Satz, den ich ungefähr 200 Mal pro Stunde sagte. Oder „Nein, so sieht das aus wie eine BRAVO-Fotolovestory.“ [[Gäbe es einen Wettbewerb fürs Herumkritisieren, ich würde mich selber zur Siegerin krönen, ohne je teilgenommen zu haben.]] Letztendlich entschieden wir uns für eine Zeitreisegeschichte mit dem Titel „Wer der Wirklichkeit entflieht“. Nicht unbedingt untypisch, aber auch nicht der größte Mystery-Kitsch. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, mit denen jede Gruppe zu kämpfen hatte, waren wir mit unserem Endergebnis zufrieden. Wir konnten für einige Monate in die Wirklichkeit der Filmregie entfliehen und sind jetzt reif für Hollywood. Naja, vielleicht nicht ganz. Aber, Til Schweiger zu übertreffen, dafür reicht’s allemal!“

Neues Pilotprojekt, um Filmbildung hessenweit ganzjährig auszubauen
Die positive Resonanz der FILMMOBIL-Workshops in den vergangenen Jahren – bis dato immer während der SchulKinoWochen Hessen im Frühjahr und dem Kinder- und Jugendfilmfestival LUCAS im Spätsommer – hat die Abteilung Filmbildung und -vermittlung im Deutschen Filminstitut DIF angespornt, das Angebot erweitern zu wollen. Seit Anfang des Jahres haben die Bemühungen nun begonnen, eine Plattform entstehen zu lassen, die die Auseinandersetzung mit Film als Kunstform hessenweit und ganzjährig für Heranwachsende möglich machen soll.
si

Weitere Informationen:
Projektbeschreibung 2016
Projektbeschreibung 2017

Fotos aus dem Intensivworkshop:

Webredakteur-LKB

Webredakteur-LKB

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