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Lauterbach – musizierend und integrierend

In Lauterbach wird fleißig musiziert, und zwar von jung, alt, einheimisch und zugezogen gleichermaßen. Dass dies möglich ist, dafür setzt sich der Kulturverein Lauterbach e. V. gemeinsam mit der Lauterbacher Musikschule e. V., einer Musikschule im Verband deutscher Musikschulen (VdM), nachhaltig ein. Denn dieses Jahr hat das Projekt HeimatMusik nun schon zum zweiten Mal Fördermittel des Kulturkoffers erhalten, um jungen geflüchteten Menschen die Integration in der neuen Heimat leichter zu gestalten.

Probe jeden Freitag
Das Niveau der Musikgruppe reicht vom blutigen Anfänger bis zum Musikprofi. Trotz der großen Unterschiede und der Tatsache, dass nie alle regelmäßig vor Ort sind, treffen sich die Beteiligten sehr gerne freitags nicht nur zur Probe, sondern auch, um voneinander mehr zu erfahren und zu lernen. Wichtig ist der Gruppe, dass es für jeden einen Platz gibt und dass die gemeinsame Arbeit allen Freude und Bestätigung bringt. Die geübten Musiker*innen haben hier einmal mehr die Gelegenheit zum gemeinsamen Spiel und unterstützen damit die Anfänger*innen und geben ihnen Ansporn zum Üben. Gemeinsam werden Lieder ausgewählt und Texte umgeschrieben. Viele Texte handeln von den Erfahrungen der Geflüchteten. Noch fühlen diese sich aber sicherer an der Gitarre oder am Keyboard. Dafür tragen die einheimischen Sänger*innen des Vereins schließlich deren Worte laut nach außen in die Welt.

Integration in die Region
Diplompädagogin Christine Eisler ist jeden Freitag mit dabei, wenn die Musikgruppe HeimatMusik zu den Proben in die Musikschule ruft. Sie freut sich sehr, dass die Idee der Integration durch gemeinsames Musizieren so gut aufgegangen ist. Sie selbst arbeitet in der Jugendhilfeeinrichtung Haus am Kirschberg und hat mit der Aktion, jungen geflüchteten Menschen Zugang zur Region durch gemeinsames Musizieren zu ermöglichen, alle im Verein angesteckt: Die geflüchteten jungen Männer der Wohngruppe der Schottener Sozialen Dienste werden direkt vom dort arbeitenden Gitarristen Philipp zur Probe mitgebracht. Durch das gemeinsame Texten und Arbeiten an den Musikstücken wird im Wesentlichen auch der Umgang mit der fremden Sprache für die Geflüchteten einfacher und sie sind schnell in einem sozialen Umfeld integriert. So zitiert Christine Eisler zu Beginn des Auftritts am Vogelsberger Kirchentag auch gleich zwei zeitlich weit auseinanderliegende Aussagen zur Musik, zum einen von Martin Luther 1530 „Ich liebe die Musik, …, weil sie die Seelen fröhlicher macht“ und zum anderen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung 2017 „Musik ist mehr als ein schöner Zeitvertreib, …, sie fördert die geistige und soziale Entwicklung“.

Auftritte bei traditionellen Festen
Nachdem das große Abschlusskonzert am Jahresende 2016 ein so großer Erfolg war, hat es sich die Gruppe zum Ziel gemacht, in die Öffentlichkeit zu gehen. So konnten sie in diesem Jahr bereits zwei Auftritte bei großen regionalen Festivitäten verbuchen: Beim traditionellen Lauterbacher Prämienmarkt Ende Mai und beim Vogelsberger Kirchentag am 27. September gaben sie ihre Lieder zum Besten. Das Publikum am Kirchentag war zahlreich und dankte dem Projekt mit regem Applaus. Diese Auftritte und das Öffentlichmachen von gelebter Integration besonders im ländlichen Raum sind enorm wichtig, um Schwellen abzubauen und Möglichkeiten des praktischen Miteinanders aufzuzeigen. Das meint auch Klaus Scheuer, Leiter des Musikvereins. Das beispielhafte Projekt kann am Sonntag, den 10. September noch einmal gehört und geschaut werden: Zum Lauterbacher Sockenfest werden sie erneut die Bühne stürmen.
si

Weitere Informationen:
Projektbeschreibung HeimatMusik 2017
Projektbeschreibung HeimatMusik 2016 mit Video zum Abschlusskonzert  
Programm Sockenfest

 

Webredakteur-LKB

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