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Jugendliche erschaffen eigene Documenta-Performance

Zur Auseinandersetzung mit der aktuellen Documenta-Kunst lockte das Projekt JETZT:HIER eine ganze Sommerwoche Kunst 16 Jugendliche aus unterschiedlichen Zusammenhängen in die WELL being Stiftung in den Kasseler Kulturbahnhof. Die spannende Woche endete am 11. August mit einer performativen Ausstellung im Kulturbahnhof, bei der so manchem Documenta-Besucher*innen bestimmt nicht auffiel, dass diese Kunst jetzt eigentlich gar nicht zur Documenta 14 gehörte.

Die WELL being Stiftung platzte aus allen Nähten
Damit hatte das Team um Mareike Wieland vom raumlabor der WELL being Stiftung und Ulrike Seilacher von Kunst und Integration e. V. dann doch nicht gerechnet: Die Räume der WELL being Stiftung verwandelten sich am 11. August für ein paar Stunden zu einem außerplanmäßigen Spielort der Documenta 14. Nicht nur geladene Gäste, sondern auch reguläre Documenta-Pilger*innen strömten durch die Stiftungsräume und wohnten den Aktionen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei. Die Performer*innen mussten ein bisschen um ihren Aufführungsplatz kämpfen, ließen sich aber dadurch nicht aus der Ruhe bringen und lieferten dem Publikum eine beeindruckende Performance parallel in vier Räumen ab.
Jeder Raum verfolgte ein Thema, welches immer von wechselnden Performer*innen umgesetzt wurde. Hier ein minimalistischer Tanz mit Masken – angelehnt an Elemente der Tanztechnik der Contactimprovisation, da eine klare choreografische Abfolge, dort die skulpturale Arbeit mit weißen Kleidungsstücken. Eine enorme Konzentration und kreative Kraft ging von den jungen Performer*innen aus und übertrug sich auf die interessierten Besucher*innen.

Das Projekt wächst stetig
Mareike Wieland vom raumlabor der WELL being Stiftung arbeitet jetzt bereits im zweiten Jahr gemeinsam mit Ulrike Seilacher an einem kontinuierlichen Projekt, das geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene mit in Kassel aufgewachsenen jungen Menschen zusammenbringen will. Der Erfolg der aktuellen Veranstaltung macht sie und alle Beteiligten besonders stolz: „Gerade in dieser intensiven Woche waren die Jugendlichen so verlässlich vor Ort und konzentriert bei der Sache, wie noch nie.“ Das Konzept scheint gut aufzugehen, denn die Jugendlichen hätten einen ganz wunderbaren Zusammenhalt miteinander entwickelt. Die Projektidee startete 2016 mit dem Titel :vom Ankommen: und erfuhr in diesem Jahr aus aktuellem Anlass mit der konkreten Auseinandersetzung der internationalen Documenta-Kunst unter dem Titel JETZT:HIER ihre Erweiterung.

Spontanes Performen in den Documenta-Räumen
Die Woche stand ganz unter dem Fokus der Erforschung von Innen-, Zwischen- und Außenräumen. Auch Choreograf René Alejandro Huari Mateus und Künstler*innen wie Clara Thöne und Nico Buurman unterstützten die Teilnehmenden mit kreativem Input in ihrem Prozess. Gezielt ausgesuchte Kunstwerke der Documenta kamen als Inspirationsquelle zum Einsatz. Beispielsweise regten unter anderem die Fotografien von Gauri Gill im Hessischen Landesmuseum gepaart mit der großflächigen Videoinstallation in der Neuen Neuen Galerie zur eigenen Maskenperformance an. Im Fridericianum führte eine künstlerische Arbeit die Gruppe direkt ins performative Umsetzen mit Papierrollen in der Videoprojektion, doch wurde die Aktion leider vom Aufsichtspersonal der Documenta nach einer Weile gestoppt. In den größeren Räumen des Kasseler Offenen Kanals und dem Stellwerk der Kunsthochschule, die dem Projekt für die arbeitsintensive Woche ergänzend zur Verfügung standen, tobten sich die Jugendlichen anschließend weiter aus.
Ganz sicher wird JETZT:HIER nicht das letzte Projekt für die inspirierten Performer*innen gewesen sein, die sich alle so wunderbar auf eine öffentliche Aktion eingelassen haben. Insofern kann man auf weitere kreative und außergewöhnliche Projekte aus den Reihen der WELL being Stiftung gespannt sein.
si

Weitere Informationen:
Projektbeschreibung JETZT:HIER
Website der WELL being Stiftung

 

Webredakteur-LKB

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