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Großes Kultur-Anstifter-Mobil-Fest im Schwalm-Eder-Kreis

Ein bunt gefülltes Festwochenende lang konnte man im beschaulichen Inmichenhain beim theater 3 hasen oben die stolzen Ergebnisse des Kultur-Anstifter-Mobils bestaunen, welches seit diesem Frühjahr durch den Schwalm-Eder-Kreis tourte.

Der Kulturwohnwagen kommt ins Dorf
Willinghausen, Neukirchen, Winterscheid, Loshausen, Wernswig und viele Orte mehr –  an insgesamt 15 Stationen in den umliegenden Dörfern des Schwalm-Eder-Kreises machte das Kultur-Anstifter-Mobil der Theaterleute Silvia Pahl und Klaus Wilmanns den Sommer über Halt, um die Menschen zum Kunstmachen anzustiften. Ziel war, die Jugendlichen in den Dörfern zu erreichen und ihnen Möglichkeiten der kreativen Entfaltung aufzuzeigen, ihnen Raum zum Andersdenken und Ausprobieren zu geben. Ein umgebauter Wohnwagen diente als Basisstation und Treffpunkt, von wo aus die Interessierten mit Wahrnehmungs-, Spiel- oder Sammelaufgaben über den Gartenzaun der Nachbarn blicken konnten, wo sich im gemeinsamen kreativen Tun Filmideen entwickelten oder die persönlichen Empfindungen im Schauspiel und der Performance ausgedrückt werden konnten. Das Kunstmobil machte auch bei Festen oder in den Schulen der Region halt, um dort für kulturelles Schaffen zu sensibilisieren. Die direkte Aufforderung „… auch Deine Sicht auf die Welt ist wichtig!“ ermutigte viele Jugendliche und auch so manchen Erwachsenen, sich zu äußern, das große Angebot zu nutzen und mit verschiedensten Kunstformen zu experimentieren. Denn ins kleine Mobil hatten die Akteure so einiges hineinpackt: Von Schreibmaschine zu Filmkamera, von Kostümen über Handspielpuppen zu Musikinstrumenten aller Art, war alles zu haben.

Eine Scheune voller wundersamer Dinge
Kein Wunder, dass auch beim großen Festwochenende nicht nur Kultur konsumiert, sondern auch aktiv mitgestaltet werden konnte. Das Herzstück – das KAMobil –gleich am Eingang des Hofs platziert, lockte die Gäste mit verführerischer Stimme ins Innere. Die mit unglaublicher Detailfreude auf engstem Raum arrangierte Ausstellung zeigte, mit viel Humor gespickt, die Aktionen auf, die im letzten halben Jahr hier aus den Begegnungen im Mobil hervorgegangen waren. Weiter ging es in der großen, verwinkelten Scheune der Theaterleute: Man konnte sich über die verschiedenen Stationen informieren, Presseberichte und Fotomaterial einsehen, hatte aber auch die Möglichkeit, sich zu verkleiden und Zeit in einer anderen Rolle zu verbringen oder im gemütlichen Ohrensessel einer Hörcollage zu lauschen.

Theatrale Portraits, Jugend im Käfig und Rapper im Film
An Darbietungen aller Art durfte es zu einem gelungenen Fest natürlich auch nicht fehlen. Zur Einstimmung versammelte man sich an der kleinen Bühne in der Scheune und bekam einige, der gesammelten Personenportraits in unterhaltsamer Theatralik mit musikalischer Untermalung von Kontrabass oder Miniaturklavier geboten. Die beiden Kulturakteure und ihre neu gewonnenen Mitanstifter hatten den Menschen der Umgebung Fragen gestellt. Aus den gegebenen Antworten entwickelte sich nun mit geschickter Intonation eine komödiantisch abstrakte Personenzeichnung. Ganz oben direkt unters Dachgebälk der Scheune wurde zur Performance „Der Käfig“ oder „Hikikomori“ gerufen. Als Hikikomori werden in Japan Menschen bezeichnet, die sich freiwillig in ihrer Wohnung oder ihrem Zimmer einschließen und den Kontakt zur Gesellschaft auf ein Minimum reduzieren, weiß Wikipedia. Die fünf Schüler*innen der Steinwaldschule in Neukirchen ließen sich von den mit Tiergesichtern maskierten Gästen zunächst „füttern“, um anschließend in einer emotional ergreifenden Darbietung zu erzählen, „wie es sich anfühlt“ jugendlich zu sein. Auch einige Kurzfilme waren den Sommer über entstanden, mit spannenden Titeln, wie „Doppelmord in Wernswig“, bei dem sowohl vier Menschen als auch vier Besen als Protagonisten fungierten oder „Gorilla“, ein schrilles Rappervideo aus Leimbach. Musikalische Unterhaltung mit der regionalen Band „Krün“ plus Gast „Tara“ am Samstag und „Milena Buck“ am Sonntag, sowie kulinarische Köstlichkeiten in der SCHLARAFFENBAR, dem sehr heimelig zur Kneipe umgestalteten ehemaligen Stallgebäude, rundeten das Fest für alle in toller Atmosphäre ab.

Da das Konzept des Mobils auf großen Zuspruch gestoßen ist – über 135 Jugendliche zwischen 8 und 20 Jahren nahmen am Angebot aktiv teil – und schon weitere „Kulturanstifteranwärter“ in der Region Interesse an Beteiligung und Weiterführung bekundet haben, kann man auf zukünftige Aktionen im Kreis gespannt sein.
si

Weitere Informationen:
theater 3 hasen oben
Veranstaltungsseite bei Facebook
Projektbeschreibung

Webredakteur-LKB

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