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Eine wunderbare Märchenwoche in Flörsheim

Grundschulkinder erarbeiten sich die Bremer Stadtmusikanten

Zu einer vollgepackten Projektwoche vom 05. bis 09. Juni trafen sich Schauspieler*innen des Galli Theaters Wiesbaden mit der kompletten Paul-Maar-Schule in Flörsheim, um den Kindern Theaterluft in ihre Klassenräume zu pusten. Projektleiterin für das Interkulturelle Märchenprojekt Heidrun Ohnesorge aus dem Galli Theater und weitere 14 theaterpädagogisch geschulte Kolleg*innen übernahmen eine Woche lang die Regie in der 300 Kinder starken Grundschule.

300 Kinder unter einem Hut
Wie schafft man es, ein Theaterstück mit 300 Kindern der 1. bis 4. Klasse zu realisieren? Was zunächst gar nicht so einfach schien, entwickelte sich zu einer hervorragenden Gruppendynamik. 15 Gruppen bunt gemischt mit Kindern aus allen Jahrgängen wurden zusammengestellt. Jede Gruppe setzte sich mit einem bestimmten Part aus der Geschichte auseinander. Anfang und Ende waren klar definiert, dazwischen durften die Klein-Ensembles mit ihren Schaupielleiter*innen improvisieren. Daher gibt es auch kein festgelegtes Textbuch und die Kinder müssen nur auswendig lernen, was sie sowieso selbst entwickelt und intuitiv gesagt haben – und das klappt hervorragend.

Die Bremer Stadtmusikanten bieten Vielfalt
Im Vorfeld wurde bereits das Märchen der Bremer Stadtmusikanten als geeignete Grundlage ausgewählt, da hier viele Themen zu finden sind, die in einer integrativen, inklusiven Schule eine Rolle spielen: Die Problematik des Heimatverlusts, die Frage nach Außenseitertum sowie der Wert von Freundschaft und einem Ort, an dem man sich sicher fühlen darf – das alles lässt sich in der Geschichte der vier ungleichen Weggesellen Esel, Hund, Katze und Hahn ablesen. Das Stück stellt gleich zu Beginn die einfache Frage „Wo liegt Bremen eigentlich?“ und die Suche führt die Kinder in viele verschiedene Länder weltweit.

Basteln, Schreiben und Filmen inklusive
Was die Turnhallenatmosphäre der Paul-Maar-Schule völlig aufzulösen schien, waren die vielen ausgefallenen Kostüme und Requisiten, die bei der Generalprobe bereits in Erscheinung traten. Hier ein Katzenöhrchen, da ein Tüllkleid, dort ein ganzes Tomatenkostüm und schließlich eine riesige selbst gebastelte Musikkombo auf ihren Pappgitarren wild musizierend. Jeden Tag blieb den Kindern immer noch genug Zeit, um sich kreativ bastelnd um ihr Outfit kümmern zu können.
Wer nicht auf die Bühne wollte, der konnte sich in der Dokumentargruppe im Schreiben, Fotografieren oder Filmemachen üben. Das Projekt möchte die eigenen Erfahrungen in Buchform und als Film vielen weiteren Schulen als Anregung zum Nachmachen zugänglich machen.

Die Initiative für das märchenhafte Großprojekt hatte eine Lehrerin der Paul-Maar-Schule ergriffen, als sie das Galli Ensemble bei ihrer pädagogischen Arbeit erleben durfte. Diese Erfahrungen sollten auch ihre Schüler*innen machen dürfen. So tat man sich zusammen und in einer Woche ist tatsächlich Erstaunliches passiert: Kinder, die sonst im Unterricht kaum aus sich herausgehen, dürfen sich in den Rollen, die sie einnehmen, neu definieren und überraschen die komplette Lehrerschaft mit ihrem Charme. Auch die benachbarte Kindertagesstätte, die zur Generalprobe gekommen war, kam auf ihre Kosten.

Es bleibt aufregend
Spannend wird es dann am Dienstag, den 20. Juni, wenn die Aufführung in der Flörsheimer Stadthalle vor über 800 Besuchern ihre Premiere hat. Doch da diese höchstwahrscheinlich immer noch zu klein ist, um allen Familienmitgliedern, Freunden und Interessierten das Stück zu präsentieren, wird es noch weitere Aufführungen – sogar im Galli Theater in Wiesbaden – geben müssen.
si

Weitere Informationen:
Projektbeschreibung Interkulturelles Märchenprojekt
Galli Theater Verein für interkulturelles Theater
Paul-Maar-Schule Flörsheim

Termine der Aufführungen immer aktuell unter http://kulturkoffer.hessen.de/termine/

Webredakteur-LKB

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