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Marburger Filmprojekt präsentiert erste Bilder

Bei strahlendem Sonnenschein eröffnete der Marburger Bürgermeister Dr. Franz Kahle das Weltkindertagsfest auf dem Gelände der Waggonhalle in Marburg. Schon zu Beginn des Festes um 14 Uhr hatten sich viele Familien eingefunden und es herrschte reger Betrieb an den Ständen der verschiedensten kulturellen Initiativen und Einrichtungen, die sich auf dem Fest präsentierten. Seine kurze Ansprache schloss Dr. Franz Kahles mit einem Appell an die Besucher*innen: Man möge die Veranstaltung zum Anlass zu nehmen, sich für die ganz praktische Anwendung von Kinderrechten einzusetzen und sich dabei nicht nur auf die Kinder deutscher Staatsangehörigkeit beschränken, sondern auch die vielen Kinder und Jugendlichen anderer Staatsangehörigkeiten miteinbeziehen, die mittlerweile in Marburg ein Zuhause gefunden hätten.

Passend zu diesem Aufruf des Marburger Bürgermeisters fand im Rahmen des Weltkindertagsfests die erste Präsentation des im Rahmen des Kulturkoffers geförderten Filmprojekts Der Blick durch das Objektiv des Vereins Semana Latina e. V. statt. Doch bevor es am Nachmittag erste bewegte Bilder der insgesamt sechs entstandenen Filme zu sehen gab, konnten sich die Besucher*innen bei einer Fotoausstellung an den Wänden des Restaurants Rotkehlchen schon einmal einen Überblick über die Ergebnisse verschaffen. Umgesetzt wurden in dem ca. dreimonatigen Projekt drei dokumentarische Arbeiten, zwei fiktionale Stoffe und ein Musikvideo.

Gemeinsam Hürden überwinden
Eines der dokumentarischen Projekte entstand mit jugendlichen unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten aus Syrien, die in Marburg leben. Wie bei allen Teilnehmenden des Projektes Der Blick durch das Objektiv entstand der Kontakt über den Kooperationspartner, die Richtsberg-Gesamtschule Marburg. Die syrischen Jugendlichen, die sich in ihrem Filmprojekt mit der Dokumentation einer gemeinsamen Kochgruppe beschäftigten, besuchen dort eine sogenannte Intensivklasse.

Projektleiter Felipe Barlara da Cruz erinnert sich, dass es zu Projektbeginn einige Hürden zu überwinden gab. Zunächst stellte er das geplante Projekt in der Intensivklasse vor, ohne jedoch auf viel Resonanz zu stoßen. Kaum jemand war interessiert, an dem Projekt teilzunehmen. Da Cruz besuchte die Intensivklasse jedoch weiter und es stellte sich bald heraus, dass die Jugendlichen nicht uninteressiert waren, allerdings davon ausgingen, es solle ein Film über sie und nicht von ihnen gemacht werden. Erst als sie bemerkten, dass sie nicht nur einfach Protagonisten sein sollen, die als die „typischen Flüchtlinge“ vor der Kamera agieren, sondern selbst die Regie übernehmen können, öffneten sich die Jugendlichen für das Projekt. Als diese Vertrauensbasis aufgebaut war, fanden sich rasch Jugendliche, die an dem Projekt teilnehmen wollten.

Die nächste Hürde war das Zusammenbringen der Jugendlichen aus den unterschiedlichen Klassen. Denn zwar besuchen alle dieselbe Schule, jedoch gibt es kaum Kontakt zwischen der Intensivklasse und den anderen Schülern*innen. Dabei waren vor allem die Sorgen seitens der Schüler der Intensivklasse groß, wie die anderen Jugendlichen sie wohl aufnehmen würden. Um diese Ängste aus der Welt zu räumen wurde ein gemeinsames Essen organisiert. Die unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten luden alle dreiunddreißig Teilnehmer*innen des Projektes in die Unterkunft, in der sie in Marburg leben, ein und bereiteten für sie ein großes gemeinsames Essen vor. Nach diesem verbindenden Erlebnis war das Eis gebrochen und die Gruppen konnten ohne weitere Berührungsängste zusammenarbeiten.

Vom Storyboard zum fertigen Film
In mehreren Workshops erlernten die Teilnehmenden die Grundlagen der Filmproduktion und erarbeiteten Drehbücher und Storyboards für die fiktionalen Produktionen sowie Treatments für die dokumentarischen Arbeiten. Von den ursprünglich dreiunddreißig Teilnehmenden sind bis zum Schluss siebenundzwanzig bei dem Projekt geblieben.

Das Projekt, das im Juli begann, ist mit der Präsentation auf dem Weltkindertag vorerst abgeschlossen. Allerdings wurde bei dieser Gelegenheit zunächst nur ein Making Of der sechs entstandenen Filme gezeigt. Da die Arbeit am Schnitt, die sogenannte Post-Production, doch mehr Zeit in Anspruch nimmt als erwartet, wurde die endgültige Präsentation der fertigen Filme auf das vierte Quartal 2016 verschoben. Immerhin sollen die Teilnehmenden genug Zeit haben ihren Arbeiten die Form zu geben, die sie intendiert haben. Dafür wird die Abschlusspräsentation auch etwas ganz Besonderes sein: Geplant ist die Filme im Cineplex Marburg auf großer Leinwand vorzuführen.

Aber auch schon die ersten bewegten Bilder der Projekte, die auf dem Weltkindertagsfest präsentiert wurden, konnten das Publikum überzeugen. Nach der Vorstellung in einem kleinen Theater mit rund dreißig Sitzplätzen gab es Applaus für das bisher entstandene Material. Auch aus den noch unfertigen Filmausschnitten war schon ersichtlich, dass es sich bei den Produktionen um gänzlich verschiedene Filme handelt: Von einem stimmungsvollen Horror-Thriller, über eine Dokumentation zum Thema Barrierefreiheit in Marburg, bis hin zum satirischen Historienfilm, in dem Christof Kolumbus über die Lahn rudert. Die schon eingestreuten Filmszenen sorgten in jedem Fall für Vorfreude auf die Präsentation der fertigen Filme Ende des Jahres, bei der dann auch die Teilnehmenden anwesend sein werden um ihre Ergebnisse zu präsentieren.

Text und Fotos: MB

Webredakteur-LKB

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