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Interkulturelles Schattenspiel von Kinderhand

Hacivat und Karagöz treffen sich mit Zippe in Deinem Stadtteil

Im Osterferienkurs in der AWO Kindertagesstätte Preungesheim hatte sich mit Unterstützung des Quartiersmanagements Preungesheim „Aktive Nachbarschaft“ der Diakonie Frankfurt eine bunte Kinder/Jugendschaar zusammengetan, um sich mit allen Regeln der Kunst in die Tradition des türkischen Schattenspiels zu vertiefen.

Eine vollgepackte Ferienwoche – die Vorbereitungen
Türkan Kanbicak vom Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und Jüdischen Museums Frankfurt sowie Kathi Kupka vom Kinderzentrum Preungesheim führten die begeisterten Schattenspielanwärter*innen zunächst in die Tradition des türkischen Schattenspiels ein und gaben ihnen eine Geschichte als Rahmenhandlung und Inspirationsquelle mit auf den Weg. Grundthema der Geschichte ist das Zusammentreffen dreier verschiedener Religionen und deren Konflikte miteinander. Bei der Frage, was die Kinder daraus entstehen lassen wollen, war für alle klar: „Es soll vor allem gut ausgehen!“ Nun wurden die Figuren Hacivat, Karagöz und Zippe in die eigene Realität versetzt. Nachdem das „Drehbuch“ für das Stück stand, mussten natürlich noch die Schattenfiguren her: Dafür erhielten die jungen Schattenspieler*innen Unterstützung durch einen echten Schattenfigurenbauer. Voller Eifer wurde gemeinsam ausgeschnitten, gebastelt und gemalt – bis die Figuren perfekt den Ansprüchen genügten.

Spot auf die Leinwand – die Aufführungen
Um das stolze Ergebnis zu präsentieren, wurden gleich zwei Aufführungsorte gewählt: Zunächst bewegte man sich im sicheren Hafen der AWO Kindertagesstätte und schließlich wagte man sich an einen fremden aber inhaltlich sehr naheliegenden Ort – das Museum Judengasse.

Am Tag der Aufführung im Museum goss es zwar in Strömen, doch alle, die sich eingefunden hatten, wurden reichlich belohnt. Die Sorge der jungen Schausteller*innen war tatsächlich eher um das leibliche Wohl bestimmt – „Hoffentlich reichen die Brezeln für alle“ –, ansonsten waren alle voller freudiger Erwartung auf die zweite Darbietung ihres Stückes.

Schließlich hielt man gemeinsam auf der Bühne Einzug, um gleich wieder hinter der weißen Leinwand zu verschwinden. Nur zwei Kinder mit Funktion der Erzähler blieben sichtbar. Der Rest der Truppe bewegte bunte Figuren über die von hinten bestrahlte weiße Fläche und verwandelte sie in eine schillernde Projektionsfläche.

Religionen finden sich – die Geschichte
Die dargebotene Geschichte rührte die Besucher dann auch ungemein, sodass der Applaus zu Recht andauerte. Denn es ging im ganzen Stück um kulturelle Offenheit und die Hoffnung auf Annäherung der Religionen: Die beiden Kinder Leyla (Muslime) und Christian (Christ) lieben sich so sehr, dass sie für immer zusammenbleiben und deshalb auch gleich heiraten wollen. Nun müssen Hacivat, Karagöz und Zippe den beiden helfen. Jedoch weder ein Pfarrer noch ein Imam ist bereit, die beiden aufgrund ihrer unterschiedlichen Religionen zu verheiraten. Schließlich finden sie bei einer Rabbinerin Gehör, denn sie lässt sich überzeugen, dass die Liebe vor allen weltlichen Regeln bestand haben muss.

Nach einer so gelungenen Aufführung konnte Projektleiterin Türkan Kanbicak schließlich nur noch voller Elan resümieren: „Kinder wollen eigentlich vor allem nur Frieden, das ist die große Botschaft der jungen Leute“. Und „Das Projekt muss weitergehen, denn es hat so vielen Menschen Freude bereitet.“
si

Weitere Informationen:

Kooperationspartner des Projekts:
Pädagogisches Zentrum des Fritz Bauer Instituts und Jüdisches Museum Frankfurt
AWO Kindertagesstätte Preungesheim
Frankfurter Programm „Aktive Nachbarschaft“   Quartiersmanagement Preungesheim  (Diakonie Frankfurt/M.)

Aufführungen waren:
Donnerstag, 13. April 2017, 14:00 Uhr in der AWO-Kindertagesstätte
Freitag, 19. Mai 2017, 15:30 Uhr im Museum Judengasse

Flyer [ PDF | 423KB ]

Webredakteur-LKB

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