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Tanzen verbindet Kulturen in Frankfurt und der Wetterau

Den Sommer über konnte dank des Vereins ÜberBrücken in Frankfurt und in der Wetterau multikulturell getanzt und Kreativität erfahren werden. Am 11. Juli startete das vielfältige Programm wöchentlich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen und erstreckte sich bis zum 9. August. An unterschiedlichen Orten wie im Sommerhofpark in Frankfurt oder vor dem Schloss in Karben Kloppenheim bot man Jugendlichen und jungen Erwachsenen Gemeinschaft und Körpererfahrungen im Freien an.

Gemeinschaft schaffen
In Kloppenheim fand der Tanz durch den Sommer direkt im schönen Schlosspark des nahen AWO-Geflüchtetenwohnheims statt. Eine kleine Gruppe junger Frauen war von einem anderen Wohnheim angereist, um gemeinsam mit weiteren jungen Menschen aus aller Welt in Kloppenheim den Tag zu verbringen. Tänzer und Mitbegründer des Vereins ÜberBrücken, Frank Händeler, lud alle Beteiligten zum Kennenlernen und Gemeinschaft schaffen mit einer riesigen 5×5-Meter Flagge ein. Die Stoffflagge diente nicht nur zum gemeinsamen Fliegen lassen oder Wellen machen, sondern man konnte – wenn jeder sich konzentrierte – ein riesiges Zelt über die bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft spannen. Aus dem zeitgenössischen Tanz bekannte Übungen, wie die Weitergabe von imaginierter Energie durch den Tanzkreis, lockerten gleich die Stimmung und brachten für alle Freude und Gelassenheit.

Körperarbeit lockert den Geist
Besonders wichtig beim Tanzen ist natürlich die richtige und wichtige Phase des Aufwärmens. Sie dient nicht nur dazu, den Körper geschmeidig zu machen, sondern schafft auch innere Zentrierung und Fokussierung auf sich selbst und die Gemeinschaft, mit der man arbeiten will. Für die meisten der Beteiligten war das schon ein schwieriger, aber wichtiger Schritt, um in der Gruppe Vertrauen zu fassen. Die Aufwärmübungen waren so angelegt, dass auch voneinander isolierte Bewegungsparts ein Miteinander als Voraussetzung zum Gelingen hatten. Gerade ohne Worte und mit dem Körper wurde so Kommunikation lebendig. Schließlich konnte, nach kurzem gemeinsamen Freestyle-Tanz, in lockerer Atmosphäre das gemeinsame Picknick zur Mittagszeit genossen werden.

Masken und Jonglage am Nachmittag
Nachmittags ging die Gruppe unter der Anleitung von Simone Wedel zum Jonglieren und Basteln von Gesichtsmasken über. Das Auflegen der Gipsschichten auf das zuvor mit Frischhaltefolie bespannte Gesicht kann zum einen sehr entspannend sein, erfordert aber gleichzeitig ein großes Maß an Vertrauen dem Behandelnden gegenüber. Die zu Beginn des Tages sich meist noch fremden Jugendlichen hatte aber inzwischen ein so vertrautes Miteinander entwickelt, dass hier keinerlei Berührungsängste mehr zu spüren waren. Gerade für die unbegleiteten geflüchteten Jugendlichen sei das Erschaffen von Gemeinschaft sehr wichtig und das zumindest kurze Gefühl von Heimat etwas, das sie deutlich vermissen, so Frank Händeler.

Inhaltliche Arbeit zur Fluchtbewältigung
Zu den verschiedenen Treffen über den Sommer hinweg wurde als Gemeinschaftsarbeit ein riesiges Leintuch mit den Kontinenten der Erde bemalt, wo sich jede/r Jugendliche einbringen und auch entweder den Herkunftsort oder sogar den Wunschort eintragen konnte. Diese und andere spielerischen Elemente können natürlich auch zu schwierigen Situationen und dem Aufbrechen von verdrängten Erlebnissen führen. Deshalb wird das ÜberBrücken-Kollektiv auch meistens von Sozial- und Traumapädagog*innen begleitet, die professionelle Hilfestellungen liefern können.

Positive Resonanz
Insgesamt sind Simone Wedel und Frank Händeler sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. „Die Freude der Teilnehmenden belohnt jedes Mal neu und schafft Ehrgeiz zum Weitermachen.“ Im Sommerhofpark wurde zur riesigen Multi-Ethno-Party mit Loop Musik Komponist Jerry und Balaton Spieler Mohamed geladen und Stephanie Bangoura führte in die Techniken des Afrikanischen Tanzes ein. Hier kamen tatsächlich über 40 Menschen zusammen, um gemeinsam zu tanzen. Die Kooperation mit der AWO lief sogar so gut, dass das Konzept an verschiedenen Einrichtungen fortlaufend in den Alltag integriert werden soll. Außerdem wird der Verein auch außerhalb Deutschlands angefragt, ähnliche Konzepte zu verwirklichen und andere anzulernen, diese Arbeit weiterzuführen.
si

Weitere Informationen:
Projektbeschreibung Tanz durch den Sommer
Website von ÜberBrücken

 

Webredakteur-LKB

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