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Darmstädter Jugendtheaterclub unterwegs im Weltall

Erfolgreich konnte der Darmstädter Jugendtheaterclub „Die Querspieler*innen“ im letzten Jahr gleich zwei spannende Theaterstücke verwirklichen: Im Frühjahr drehte sich alles um extreme Enge und im Herbst durfte die große Weite erforscht werden. Vor Weihnachten hatte das Stück „Unendliche Weiten“ im frisch renovierten Theater Moller Haus Premiere und wird nun aufgrund großer Nachfrage noch einmal am 24. Januar um 20 Uhr zu sehen sein.

Eintauchen in weite Galaxien
Ein ganz normaler Arbeitstag geht zu Ende – weit gefehlt, denn plötzlich scheint sich alles um ferne Galaxien zu drehen: Während sich eine junge Dame auf den Feierabend freut, verhält sich ihr Kollege etwas wunderlich und möchte partout verhindern, dass die „Schleuse“ geöffnet wird. Überhaupt erscheinen alle um sie herum irgendwie sonderbar, als ob sie wirklich auf einem Raumschiff durch das Universum unterwegs seien: Die Auszubildende wird zur Kapitänin; ein Außerirdischer spricht und muss übersetzt werden; am Rande des Universums sucht die Mannschaft nach Gott. Das überaus komödiantische Stück der theateraffinen Jugendlichen begibt sich auf eine Reise zwischen die Welten und changiert geschickt mit Realität und Fiktion.

Zu Besuch bei der ESA
Nach gründlichem Brainstorming, was sich für die Jugendlichen hinter dem Begriff Weite so alles verbergen könnte, ging es zur Recherche direkt zur ESOC der ESA, dem European Space Operations Centre der European Space Agency in Darmstadt. Dass man bei diesem Jugendclub die Inhalte der Theaterstücke so gründlich erforschen könne und an Orte käme, wo man sonst nicht unbedingt Zutritt hätte, sei besonders faszinierend, meinten die jungen Darsteller*innen. Sie hatten auch einen regen Austausch mit der ESOC eigenen Theatergruppe und konnten feststellen, dass sich die dort Beschäftigten auch sehr gerne ihren Spaß im Hinblick auf diverse einschlägig bekannte Science Fiction Serien machten. Für das Vorgängerstück „GESELLSCHAFTSERHÄNGEN“ zum Thema Enge war die Gruppe zu Besuch in der Justizvollzugsanstalt Dieburg und konnte sich dort mit den Bedingungen einer Haftstrafe auseinandersetzen.

Geborgen in der Gemeinschaft
Im Schnitt treffen sich bei den Querspieler*innen 14-21 Teilnehmende zwischen 14-21 Jahren einmal in der Woche, um zu proben. Sie kommen aus verschiedenen Schulen, manche machen eine Ausbildung. Neue sind immer willkommen, erzählt Bella, die gerade erst zum letzten Stück dazugekommen ist und gleich schon Kapitänin sein durfte. Gleichzeitig gibt es auch einige alte Hasen in der Gruppe, die das gemeinsame Spielen nicht mehr missen möchten. Was sie vereint, ist die Liebe zum Theater und der Wunsch, etwas auszuprobieren und sich dabei auszuagieren. Alle schwärmen davon, wie schön die Atmosphäre in der Gruppe ist, wie wohl und sicher sich alle miteinander fühlen: Extrovertierte hätten ihren Platz, sich – ohne dass es peinlich werde – mal richtig auszuleben, genauso könnten Introvertierte sich in geschütztem Raum vorwagen, bestätigen sie im gemeinsamen Gespräch nach der Vorstellung. „Eigentlich wollte ich Gott sein, aber die Rolle des 1. Offiziers passt doch sehr gut auf mich!“, konstatiert Max und zaubert damit spielend der Gruppe ein Lächeln ins Gesicht. Der Autor des gekonnt gestrickten Stückes war übrigens Benjamin Lutz – gemeinsam mit Julia Lehn leitet er die Theatergruppe – der die Ideen und durch Improvisationsübungen entstandene Wunschcharaktere zu einer Geschichte formte und bei allen damit ins Schwarze traf.

Mit Spaß an der Arbeit
Im Feedback der Gruppe merkte man schnell, mit welcher Leidenschaft die Organisator*innen und Theatermacher*innen am Werk sind. Koordinator Björn Lehn erzählte von den Anfängen mit dem ersten Pilotprojekt für das Format Jugendclub: Da das Theater Moller Haus sehr heterogen sei, habe man sich zunächst die dort verankerten Gruppen aus unterschiedlichsten Darmstädter Szenen angeschaut und damit experimentiert. Wichtiges Ziel des Jugendclubs sei es auch, wieder Begeisterung für die OFF-Theaterszene zu wecken, die in den 1960er Jahren boomte, aber derzeit kaum Nachwuchs fände. Mit dem Darmstädter Jugendclub kann die Theaterszene nun wieder aufatmen. Gerade, weil so viel Wert auf eine große Bandbreite gelegt wird, die alle möglichen Theaterformen versucht abzudecken und dabei möglichst viel Erlebnisspielraum für die Jugendlichen schafft, ist der Jugendclub ein lebendiger sich immer neu erfindender Ort der Begegnung geworden. Nach „Enge“ und „Weite“ im Jahr 2017 kann man gespannt sein, wie es weitergeht: Das nächste Thema „Sicherheit – Seid ihr sicher?“ – steht schon im Raum!
si

Weitere Informationen:
Theater Moller Haus – Jugendclub Die Querspieler*innen
Artikel in der Allgemeinen Zeitung vom 03.01.2018
Projektbeschreibung 2017
Projektbeschreibung 2016

Webredakteur-LKB

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