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Bad Vilbel gibt Jugendlichen mit urbaner Kunst Raum

Der Kunstverein Bad Vilbel hat es sich seit August mit dem Projekt Kunst stärkt zur Aufgabe gemacht, den ortsansässigen kunstinteressierten Nachwuchs in verschiedene Formen des Kunstschaffens einzuführen und den Jugendlichen öffentlichen Raum für ihr Schaffen zur Verfügung zu stellen. Unter den Vorzeichen „Urban Art“ und „Graffitischule“ konnte sich regelmäßig kreativ ausprobiert werden. Am Samstag, den 09. Dezember ab 17 Uhr findet in der Alten Mühle die Abschlusspräsentation statt.

Bad Vilbel stärkt durch Kunst
Kunst ist ein wichtiges Kulturgut: Sie kann ästhetisches Verständnis vermitteln, gesellschaftliche Missstände aufdecken, aber auch unbewusste emotionale Zustände sichtbar werden lassen. Mit dem Erschaffen von Kunst hat der Bad Vilbeler Kunstverein einige Erfahrung, die er gerne den Jugendlichen vor Ort weitergeben wollte. Frei nach dem Motto: „Früh übt sich, wer ein Meister werden will“, sollten Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren ohne schulischen Leistungszwang Gelegenheit erhalten, einfach mal zu experimentieren und nachzuspüren, wo ihre Stärken liegen, was ihnen Spaß macht und was ihnen vielleicht sogar mehr Mut und Selbstvertrauen im weiteren Lebensweg geben könnte. Den Schwerpunkt hatte der Kunstverein auf möglichst im Raum sichtbare Kunstformen gesetzt, denn die Ergebnisse sollten Teil des öffentlichen Lebens werden und so den Jugendlichen die Möglichkeit eröffnen, in ihrer Gemeinde gestaltend mitzuwirken.

Urban Art
Regelmäßige Treffen zum Thema „Urban Art“ fanden unter der Leitung der beiden Künstlerinnen Ingrid Strohkark und Nicole Wächtler statt. Nach einem sinnhaften Kunstprojekt, was in der Öffentlichkeit gut wahrzunehmen ist, wurde gemeinsam gesucht. Man entschied sich für eine Fassadenbemalung – ein wohlgesonnener Bürger der Gemeinde stiftete dazu seine Hausfassade direkt an einem zentralen Platz im Ortskern für die gute Sache. Jetzt war die Herausforderung groß, denn mit einer kaum zu übersehenden Fläche im Ort hatte man eben auch eine große Verantwortung zu tragen. Die Jugendlichen entwickelten gemeinsam mit den Künstlerinnen ein Konzept zur Bemalung. Ein Lernprozess kam in Gang, in dem allen klar wurde, dass etwas gemeinsam in der Gruppe zu gestalten immer auch bedeutete, Kompromisse zu schließen. So entwickelte sich eine abstrakte Vorlage für die Fassadenbemalung, die für die Bad Vilbeler Jugendlichen stehen sollte und in der sich über die Farb- und Formgebung deren Bedürfnisse und Wünsche widerspiegelten. Aufregend wurde es dann erst richtig, als ein Gerüst aufgebaut wurde und die Jugendlichen endlich eigene Hand anlegen und die Pinsel schwingen konnten. Das entstandene Kunstwerk kann dauerhaft – weil im Freien verbleibend – in der Frankfurter Straße in Bad Vilbel bestaunt werden.

Steppen vor selbst gestaltetem Bühnenbild
Um noch konkreteren Nutzen vom Kunstschaffen spürbar werden zu lassen, gingen die beiden Künstlerinnen Strohkark und Wächtler mit der benachbarten Tanzschule eine Kooperation ein und riefen zur Gestaltung eines Bühnenbildes für ein Stück der dortigen Stepptanzgruppe auf. Hier wurde ganz nebenbei handwerkliches Können geschult, denn Holzplatten mussten zusammengeschraubt und mit dem Bohrer gearbeitet werden. Die Jugendlichen erlebten im Schaffen ihres eigenen Bühnenbildes Sinnhaftigkeit ihres künstlerischen Handelns. Insbesondere, etwas für einen bestimmten Zweck zu gestalten und sich auf einen kompletten Entwicklungsprozess einzulassen, wurde für alle erfahrbar.

Graffitischule
Profisprayer Sebastian Stehr entwickelte auch ein Angebot zur offenen Graffitischule im Rahmen des Kunst stärkt-Projekts. Jeden Freitag und Samstag von Oktober bis Anfang Dezember konnten sich Jugendliche an der Wand hinter dem Kunstverein ausprobieren und erfuhren so einiges über die Technik des Sprayens vom Altmeister. Stehr gibt regelmäßig Workshops und hatte zuvor bereits mit großem Zuspruch einen vom Kunstverein unterstützten Workshop für junge Geflüchtete angeboten. Mit der offenen Graffitischule erfüllte sich für den Künstler ein lang gehegter Wunsch: Ein kostenloses Angebot für alle, die sich im Sprayen ausprobieren wollen, sei ohne eine Förderung kaum möglich. Und tatsächlich erfreute sich das Angebot größter Beliebtheit und die neue Generation von Graffitisprühern kam auch bei Wind und Wetter regelmäßig. Wichtig für Stehr war vor allem ein offenes Lernkonzept, um die Eigenkreativität der Jugendlichen nicht durch detaillierte Vorgaben zu beeinflussen. Besonders angesagt waren die sogenannten Battlepartys an drei Wochenenden unter verschiedenen Mottos, wie „Quick Piece – mit 4 Farben in 20 Minuten ein Bild malen“ oder „Tag Battle – in 20 Sekunden die meisten Tags“, wo kleine Preise den Sieger*innen winkten.

Abschlusspräsentation und Kunstraum für die Zukunft
Die Ergebnisse des letzten halben Jahres präsentieren die Jugendlichen nun stolz in der Galerie der Alten Mühle in Bad Vilbel, und zwar am kommenden Samstag ab 17 Uhr. Die Stepptänzerinnen zeigen ihre Performance vor dem gestalteten Bühnenbild und die Skizzen des Fassadenbilds sowie Fotografien der Graffitis können bewundert werden. Zukünftig soll im Kunstverein ein Raum für die Jugendlichen reserviert sein, in dem sie sich regelmäßig treffen können, um Kunst zu machen und sich auszutauschen. Dieser Raum soll natürlich auch von den Jugendlichen selbst gestaltet werden – hierzu sind bereits erste Wünsche und Ideen bei den letzten Treffen zum Jahresende gesammelt und gleich in die Tat umgesetzt worden: Der Eingangsbereich der Kunstschule ist mit TapeArt, einer ganz neuen Form der StreetArt, gestaltet. Hierbei entstehen Muster und Motive aus farbigem Klebeband.
si

Weitere Informationen:
Kunstverein Bad Vilbel e. V.
Website des Projekts
Projektbeschreibung
Artikel in der Frankfurter Neuen Presse vom 04.08.2017
Artikel in der Frankfurter Neuen Presse vom 02.10.2017
Artikel in der Wetterauer Zeitung vom 14.11.2017

Webredakteur-LKB

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