Kulturkoffer » Aliens unterwegs in Gießen

Aliens unterwegs in Gießen

Gießener Jugendliche ab 14 Jahre aus aller Welt konnten sich in der letzten Sommerferienwoche thematisch mit der Eigentümlichkeit von Aliens auseinandersetzen. Theaterwissenschaftler Kim Willems und Performerin Katharina Speckmann boten unter dem  Motto „Aliens: Wieso ich ein Außerirdischer bin“ einen Maskenworkshop an, bei dem 11 junge Erwachsene von 14 bis Mitte 20 ihrer Kreativität freien Lauf ließen, um schließlich mit ihren Ergebnissen in einer gemeinsamen Performance zu münden.

Gemeinsam Sprachbarrieren überwinden
Der spannende Workshop in die Welt der Aliens war gemeinsam von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und dem Zentrum und Verein für interkulturelle Bildung & Begegnung in Gießen (ZIPP) ausgeschrieben worden. Der Bedarf an sinnvoller Beschäftigung sei besonders bei geflüchteten jungen Menschen sehr groß, konnten Ansprechpartnerinnen Marges Jalali (AWO) und Medina Mustafie (ZIPP) berichten. Jetzt in den Sommerferien waren 11 Teilnehmer*innen kontinuierlich vor Ort, einige kamen aus den Wohnheimen der AWO rund um das Areal des Zentrums für interkulturelle Bildung & Begegnung. Auch andere Gießener fanden den Weg ins Zentrum und wurden wie so oft reichlich belohnt, da im ZIPP immer wieder Platz für kulturelle Vielfalt und Verständigung geschaffen wird. Bereits 2011 initiierte Kim Willems während seines Studiums der Angewandten Theaterwissenschaft die ersten Performanceprojekte im ZIPP. 2014 beteiligte sich zudem die AWO an den Tagesangeboten. Neu nun in diesem Jahr der Maskenworkshop, der über eine ganze Woche die Möglichkeit zum gemeinsamen Arbeiten und Performen für die Teilnehmer*innen bot. Grundsätzlich sei es immer schwierig bei solchen Kursen, die Kontinuität zu halten, meinte Kim Willems, trotzdem waren die meisten Teilnehmer*innen diesmal mit vollem Enthusiasmus dabei. Gerade die praktische Arbeit mit Farbe und Form eigne sich hervorragend zur Gruppenbildung, besser, als das mit Sprache möglich sei.

Masken bauen und sich übers Handwerk näher kommen
Der Maskenbau bot einen perfekten Einstieg,  da sich gleich zu Beginn eine außergewöhnlich starke Konzentration innerhalb der Gruppe entwickelte, die die Zusammenarbeit sehr erleichterte. Mit Bedacht war der Kurs so angelegt, dass sich jede Teilnehmer*in zunächst voll auf den kreativen Schaffensprozess der Maske von Anfang bis Fertigstellung konzentrieren konnte, um die meditative Wirkung von handwerklich-künstlerischen Tätigkeiten in vollen Zügen auszunutzen. Zunächst musste allerdings der Begriff der Aliens geklärt werden, da dieser nicht so einfach in alle Sprachen zu übersetzen war. Verschiedene Beispiele von Alienfiguren aus der Kulturgeschichte, aber auch sonderbar aussehende Pflanzen und Tiere boten da Anschauungsmaterialien. Ganz ungeplant und unbewusst entstanden  teils Masken, die dem eigenen Charakter entsprachen oder mit der eigenen Geschichte zu tun hatten: zwei unterschiedliche Augen als Zeichen für das Augenzwinkern des eigenen Humors oder eine Maske, die sich an Traditionen der Dorfältesten in Burkina Faso anlehnte. Letzten Endes sei es für die meisten Teilnehmer*innen mit Fluchterfahrung ein sehr gesunder Weg, dass Thema des Andersseins nicht direkt, sondern über Masken und Fiktionen anzugehen und die Chance sei so wesentlich größer, wichtige Inhalte nachhaltig zu transportieren.

Gemeinsames Proben in der Sommerhitze
Mit dem gleichen Eifer probten die Teilnehmer*innen trotz tropischer Temperaturen mit der Pappmaschée-Maske auf dem Kopf die Choreografie für die abschließende Aufführung. Einige Bausteine für die Performance hatte Kim Willems bereits vorbereitet: Die „Reise nach Jerusalem“ oder auch die Formation des sogenannten „Soul Train“, wobei die Tänzer*innen eine Gasse bildeten, durch die getanzt wurde, seien einfache Muster, die sich niedrigschwellig zum direkten Mitmachen eigneten. Wichtig sei dabei, dass die Formen einfach zugänglich seien, aber trotzdem genug Spannendes zu bieten hätten. Alltagsgesten zu finden und diese tänzerisch zu verfremden bzw. zu vereinfachen, um sie in die Choreografie einzubinden, war dann der weitere Schritt, der Choreografie die Geschichten der Beteiligten einzuhauchen. Bei der Probe dienten die anwesenden Kolleginnen als Publikumsersatz, denn der spannende Moment des Kontakts der Aliens mit den Erdenbewohner*innen musste natürlich gut einstudiert werden. Den Teilnehmer*innen merkte man den kraftvollen Effekt der Masken beim Tanzen direkt an, die sie voller Stolz und Freude vorführten.
si

Weitere Informationen
Projektbeschreibung
Website des ZIPP in Gießen
Artikel im Gießener Anzeiger vom 07.08.2018

Webredakteur-LKB

Webredakteur-LKB

Comments are closed here.