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IM FOKUS: Anregungen zur Antragsstellung

Wie immer in letzter Minute muss er fertig werden, der Antrag für die so sehr benötigten Gelder, um das eigene Wunschprojekt endlich zu verwirklichen. Was gilt es zu beachten, was sollte man tunlichst vermeiden, um Chance auf Bewilligung zu haben? Dieser Beitrag möchte einige Anregungen, aber keine Gewähr für Erfolg geben.

Sich die Zeit gönnen und eine gezielte Vorberatung in Anspruch nehmen
Auch wenn man meist wenig Zeit hat und oft sehr spontan auf mögliche Förderungen für genau das eigene Projektvorhaben gestoßen ist, so sollte man sich doch für einen Antrag genügend Zeit einräumen und vor allem die Beratungen der entsprechenden Stellen dringend nutzen, um sich unnötige Arbeit zu ersparen und Dinge im Vorfeld abzuklären. Jeder Förderstelle ist daran gelegen, möglichst vollständige und für das Förderprogramm geeignete Anträge zu bekommen.
Vor der Beratung ist es allerdings unbedingt empfehlenswert, die eigene Idee erst einmal selbst auf Herz und Nieren zu prüfen: Was ist die Essenz meines Projektes? Was brauche ich für den Antrag? Stimmt meine Idee mit den Voraussetzungen und Richtlinien des Förderers überein? Daraus ergibt sich schnell eine Liste mit Unklarheiten, die schließlich im persönlichen Beratungsgespräch geklärt werden können.
Gerade weil man sich selbst schon länger und intensiv mit dem eigenen Vorhaben beschäftigt hat, ist es um so wichtiger, das Projekt möglichst kurz und klar vorstellen zu können. Die Berater*in wird Ihnen dankbar sein, die Essenz des Projektes zu erkennen und auch Ihre eigenen Bedenken zu hören, um umfassend und zielgerichtet beraten zu können. Die Arbeit an einer kurzen und knackigen Projektbeschreibung ist zudem vielseitig verwendbar: nicht nur für ein Beratungsgespräch, auch für die Akquise von Kooperationspartner*innen, weiterer Förderer oder auch schlicht für die Öffentlichkeitsarbeit.

  1. Überblick über Förderrichtlinien
  2. Überblick über eigenes Vorhaben
  3. Kurzzusammenfassung der Essenz des Projektes
  4. Abgleich der Idee mit dem Förderprogramm
  5. Checkliste der offenen Fragen
  6. Beratungsgespräch in Anspruch nehmen

Mit dem Projektantrag den kompletten Prozess des Projekts spiegeln
Gerade die Formulierung des Projektantrags wird gerne als die Möglichkeit einer umfassenden Prosa verwendet, um auch die Ziele des Förderers noch einmal durchzudeklinieren. Sparen Sie sich die Repetition der Förderrichtlinien besser und gehen Sie stattdessen Ihr Projekt im gesamten Prozess einmal theoretisch durch. Sie werden schnell einen guten Überblick über das eigene Vorhaben entwickeln und sich und die zu beantragenden Finanzen realistisch einordnen können. Eine solide Projektbeschreibung, die alle Eventualitäten einbezieht und zeigt, dass man das Vorhaben im Griff hat, bringt mehr als leere Worte zu verlieren.
Vielleicht gehen Sie das Projekt mit möglichen Beteiligten schon einmal durch und erfahren so, welche Einwände oder sinnvollen Vorschläge die Zielgruppe oder die Kooperationspartner*innen beitragen können, um das Projekt mit Leben zu füllen.
Der Antrag sollte dann möglichst klar die einzelnen Teilstrecken des Projekts unterscheiden: Welche Ziele hat das Projekt? Welche Partner*innen sind wie beteiligt? Welche Zielgruppen wollen angesprochen werden? Welche Methoden werden für das Erreichen der Ziele verwendet? Wer ist wann für welche Arbeitsschritte verantwortlich? Gerade die detaillierte Durcharbeitung des Projektprozesses wird Ihnen die Durchführung erleichtern und Sie geraten nicht in die Falle der Unter- oder Überschätzung des Projektvorhabens.

  • Kurze, knackige Sätze
  • Klare, verständliche Sprache
  • Besser aktive als passive Formulierungen
  • Klare Trennung der Themenbereiche und Fragestellungen
    • Ziele
    • Methoden
    • Arbeitsschritte

Spezielle Anforderungen im Kulturkoffer
Nachdem nun einiges zur allgemeinen Situation des Antragstellens klar geworden ist, soll hier doch auch noch auf spezielle Anforderungen des Förderprogramms Kulturkoffer eingegangen werden. Schließlich wollen wir, dass Sie Ihre tollen Ideen bei uns in Hessen mit Erfolg verwirklichen! Der Kulturkoffer hat einige Parameter, die unbedingt beachtet werden sollten. Im Laufe der letzten Förderrunden haben sich zudem Erfahrungswerte ergeben, die wir gerne weitergeben wollen.

  • Außerschulische Projekte – freiwillige Teilhabe nicht in der Unterrichtszeit

Die Mittel des Kulturkoffers sollen dafür verwendet werden, Kindern und Jugendlichen erweitere Möglichkeiten der Kulturellen Bildung aufzuzeigen, die nicht im schulischen Rahmen geleistet werden können. Wesentlicher Punkt ist die außerschulische Arbeit des geförderten Projekts. Die Akteur*innen der Projekte sollen nicht die Aufgaben der Schule übernehmen oder gar Lücken in der Betreuung schließen. Die Teilnehmenden sind freiwillig bereit, ihre Zeit zur Kulturellen Bildung zu nutzen und werden dafür auch nicht beurteilt.

  • Kooperationen sinnvoll eingehen

Eine Projektträger*in (Antragsteller*in) arbeitet mit mindestens einer Kooperationspartner*in zusammen. Diese Voraussetzung möchte die Netzwerkstruktur gerade auch im ländlichen Raum stärken und weiterentwickeln. Für beide Partner*innen sollte das Projekt einen Mehrwert haben und beide Partner*innen sollten sich demzufolge auch inhaltlich involvieren. Gerade durch eine für beide sinnvolle und effektive Partnerschaft kann auf längere Sicht eine nachhaltige Entwicklung einsetzen.

  • Innovative, neuartige Vorhaben entwickeln

Die Förderung des Kulturkoffers versteht sich als der Samen für eine Kulturelle Vielfalt in Hessen. Deshalb werden neue, innovative Projektideen gefördert und nicht bereits bestehenden Programmen unter die Arme gegriffen. Was ist also so besonders und neu an Ihrem Projekt in Ihrer Gegend, was dringend noch gefehlt hat? Jetzt haben Sie die Möglichkeit, es auszuprobieren. Allerdings sollte man die eigene Projektidee nicht gleich bei der ersten Förderung zu sehr überfrachten und sich vielleicht ein paar innovative Ideen für weitere Anträge zurückhalten. Wollen Sie daraus eine nachhaltige Arbeit entwickeln, so empfiehlt es sich, während der Projektdurchführung herauszufinden, wer vor Ort noch finanziell einsteigen könnte oder welche anderen Fördertöpfe naheliegend für das Projekt sind.

  • Zielgruppen mitbedenken

Häufig haben die wunderbarsten Projekte und die besten Ideen keinen Bestand, wenn die Teilnehmer*innen dazu fehlen. Wenn irgend möglich ist daher angeraten, die gewünschte Zielgruppe bereits in die Antragsphase mit einzubeziehen. Vielleicht lösen sich dabei auch die ein oder anderen Ungereimtheiten in Luft auf und neue Lösungen zur Umsetzung kommen ganz automatisch. Falls sie noch gar keine Erfahrung mit Ihrer Zielgruppe haben, suchen Sie sich Kooperationspartner*innen, die bereits zusammen mit Ihren Wunschteilnehmenden Projekte durchführen

Warte nur ein Weilchen – Die Geduld bis zur Bewilligung
Wenn dann alles geschafft ist, der Antrag ist geschrieben, der Finanzierungsplan steht, die Unterlagen sind sowohl digital als auch postalisch eingereicht – dann beginnt die Zeit des Wartens für Sie als Antragsstellende und die Zeit der Prüfungen für die Förderer. Die Anträge werden in verschiedenen Phasen mehrfach geprüft – auf sachliche Vollständigkeit, auf inhaltliche Richtigkeit – bis sie schließlich der unabhängigen Jury vorgelegt werden. Auch wenn Sie nun vielleicht durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Projektvorhaben in den Startlöchern stehen, müssen Sie sich bis zum Bescheid gedulden und dürfen keine Ausgaben für das Projekt tätigen. Gibt es äußere Faktoren, die Vorarbeit vor dem Bewilligungsbescheid notwendig machen, müssen Sie unbedingt einen Antrag zum vorzeitigen Maßahmenbeginn stellen und sich aber dabei auch im Klaren sein, dass Ihr Projekt trotzdem abgelehnt werden kann.

Nach diesem kurzen Intermezzo zum Thema gehen Sie nun doch einfach frisch ans Werk! Mit Ihren kreativen Ideen für Anträge haben Sie noch bis zum 15. Oktober 2019 Zeit!
si

Weitere Informationen
Fördermittel wissenswert – Infowebsite von Monika Vog
Onlineartikel: Was zeichnet einen guten Projektantrag aus? von www.buergergesellschaft.de
EU-Fördermittel-Plattform, Tipps und Tricks

Webredakteur-LKB

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