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In Bad Nauheim hören Kinder mit allen Sinnen

„Mit allen Sinnen hören“ lautete das Motto des von der Elternvereinigung hörgeschädigter Kinder in Hessen e. V. ausgeschriebenen inklusiven Musikworkshops an der Ernst-Ludwig-Schule in Bad Nauheim. Am 11. November konnte man sich vom Erfolg der gemeinsamen Arbeit der zehn je zur Hälfte aus hörenden und hörgeschädigten Schüler*innen bestehenden Workshopgruppe überzeugen.

Die Ernst-Ludwig-Schule – ein Ort für Begegnung
Ein wichtiges Thema an der Ernst-Ludwig-Schule ist neben dem bilingualen Lernen das gemeinsame Musizieren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt hier seit einiger Zeit auf der Inklusion hörgeschädigter Schüler*innen. So war es geradezu naheliegend, dass die Schule sich an einem so spannenden musikalischen Experiment, wie dem gemeinsamen Musizieren von Hörenden und Hörgeschädigten, beteiligte. Es fanden sich Schüler*innen der Klasse 5–7 des Gymnasiums, die gemeinsam mit hörgeschädigten Mitschüler*innen auch aus anderen Schulen im Umkreis zwei intensive Wochenenden verbrachten, an denen gemeinsam musikalische Wünsche ausgelebt werden konnten.

Ein aktiver Verein – die Elternvereinigung hörgeschädigter Kinder in Hessen
Ein ambitioniertes Projekt braucht immer visionäre Akteure. Mit der Elternvereinigung und der 2. Vorsitzenden, Nicole Schilling, konnte das Vorhaben gelingen, denn hier wurde durch alle vorkommenden Höhen und Tiefen der Projektphasen mit Herzblut organisiert. So konnten auch die Johannes-Vatter-Schule in Friedberg – die Schule speziell für hörgeschädigte Menschen –  und das überregionale Beratungs- und Förderzentrum mit Förderschwerpunkt Hören ins Boot geholt werden. Nicht nur eine Gebärdensprachdolmetscherin begleitete den Workshop, sondern als Workshopleiterin konnte die integrative Musiktherapeutin Dr. Eva Mittmann gewonnen werden.

Eine Spezialistin für Musik und Hörbeeinträchtigungen
An den vier musikalisch, kreativen Musiktagen war es Dr. Eva Mittmann besonders wichtig, die Begeisterung für Rhythmus, Bewegung und Melodien an die Schüler*innen weiterzugeben, die teilweise bisher noch keinen Zugang zur Musik gefunden hatten. „Hörbeeinträchtigungen sind beim Empfinden von Musik kein Hindernis“ bestärkte Mittmann immer wieder die Gruppe. So konnten alle gemeinsam Musik einmal anders erleben und mit Klängen richtig experimentieren. Vorkenntnisse wurden mit aufgenommen, waren aber nicht erforderlich. Moderne wie klassische Instrumente wurden gestellt und von allen ausprobiert.

Musik beflügelt und verbindet
„Die Musik beflügelte die inklusive Gruppe“, berichtete Nicole Schilling der Elternvereinigung und war sehr beeindruckt, dass die Gruppe, die sich zum allerersten Mal in der Form zusammengefunden hatte, schon nach den ersten Takten zusammengewachsen war. Die Musik hätte die Gemeinschaft gefördert und in kürzester Zeit zu neuen Freundschaften geführt. Das konnte man dann auch beim abschließenden Sonntagskonzert hautnah miterleben, das die Freude und den Stolz der jungen Musiker*innen transportierte. Das gemeinsame Abschlussstück, auf das in den Workshoptagen hingearbeitet wurde, trug den Titel „Mein zweites Ich“ und behandelte die Möglichkeit, wie es wäre, wenn man einen Doppelgänger hätte, der besonders die unangenehmen Dinge im Leben übernehmen könnte: „Ich muss nicht aufräumen, das macht mein zweites Ich“, klang es laut in der zum Konzertsaal umfunktionierten Turnhalle. Nachdem die erste Aufführung des Lieds so gut geklappt hatte, konnte die Gruppe auch gleich beim Schulkonzert wenige Tage später auftreten. „Die Schüler*innen haben dabei riesen Schritte gemacht und sich gemeinsam getraut!“, strahlt Nicole Schilling.
si

Weitere Informationen
Projektwebsite

Hörprobe


Impressionen aus dem Workshop

Webredakteur-LKB

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