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Praktisch interkulturell – Bänke verbinden in Kirchhain

In der Beruflichen Schule Kirchhain (BSK) konnte sich kreativ für den eigenen Schulhof ausgetobt werden. Die Ergebnisse des interkulturellen Projekts, bei dem geflüchtete Schüler*innen der Sprachintensivklasse gemeinsam mit den Schüler*innen der Tischlerklasse Sitzbänke entwarfen, wurden am Nachmittag des 1. Novembers feierlich eingeweiht.

Bänke verbinden
Bank-Verbindungs-ABC hieß das gemeinsame Projekt des Deutschen Werkbunds Hessen e. V. mit der Berufliche Schule Kirchhain (BSK) und es sollte tatsächlich Maßstäbe für Arten und Weisen der Begegnung und Kommunikation schaffen. In verschiedenen Stufen wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der sich sowohl inhaltlich als auch in der praktischen Durchführung ganz konkret mit Orten der Begegnung beschäftige. Wenn Schüler*innen aus einer Sprachintensivklasse für Geflüchtete gemeinsam mit Berufsschüler*innen der Holzverarbeitung ein Sitzkonzept für den Schulhof entwickelten und verwirklichten, so schaffte dies auch Möglichkeit zur Auseinandersetzung über die Bänke hinaus – denn wo man gemeinsam sitzt, da setzt man sich auch auseinander! Natürlich hatte man von beiden Seiten aus Berührungsängste und Bedenken, berichteten die Schüler*innen bei der Einweihung: Würde man sich gut verständigen können? Würde man die Ungeübten anleiten können? Würde man den Ansprüchen der Erfahreneren genügen? Doch im gemeinsamen Handeln zeigte sich schnell, dass die Bedenken unbegründet waren und man nicht nur gemeinsam viel voneinander lernen, sondern auch viel Spaß haben konnte.

Vom Modell zur Realisation
Zunächst musste erst einmal herausgefunden werden, welche Bedürfnisse nach Sitzmöglichkeiten für den Schulhof es gab. Dazu erforschte man zum einen das Terrain und befragte zum anderen die anderen Schüler*innen der Schule. Im nächsten Schritt wurden Tandems aus den beiden Klassen gebildet und gemeinsam Sitzmodelle entwickelt und gebastelt. Über ein Punkteverteilungsauswahlverfahren wurden nun die besten drei Modelle ermittelt, die schließlich verwirklicht werden sollten. Dann ging es gemeinsam in die Werkstatt. Natürlich durften nur dazu ausgebildete Schüler*innen an den großen Maschinen arbeiten, sodass sich bei Leerlauf eine Gruppe mit der Ausarbeitung eines sinnvollen Farbkonzepts sowie der Gestaltung einer ganzen Schulhofwand beschäftigte. Ganz nebenbei erhielt der vormals betongraue Schulhof unbeabsichtigt sogar noch einen neuen Anstrich.

Festliche Einweihung
Der Abschluss des Projektes wurde gebührend gefeiert. Die Jugendlichen reichten selbstgemachte Köstlichkeiten aus aller Herren Länder. Sämtliche Modelle konnten in einer Ausstellung bewundert und mit den Entwickler*innen diskutiert werden. Geladen waren auch alle Förderer und Marian Zachow, erster Kreisbeigeordnete der Kreistagsfraktion Marburg-Biedenkopf und Jurymitglied beim Kulturkofferförderprogramm. Er betonte in seiner Rede, wie gerade dieses Projekt es geschafft hätte, so viele verschiedene Grenzen zu überwinden: die Grenze zwischen Kunst und angewandter Kunst, zwischen ländlichem Raum (Kirchhain) und der Stadt (Deutscher Werkbund als Projektpartner), zwischen der Institution Schule als Lernort und dem Bedürfnis nach entspannender Pause und letztendlich auch die zwischenmenschlichen Grenzen selbst. Projektleiterin Petra Schwerdtner vom Deutschen Werkbund Hessen e. V. freute sich über die produktive Zusammenarbeit ganz im Sinne der diskursiv, interdisziplinäre und gemeinnützig ausgerichteten Werte des Werkbundes – „Eine Hand allein knüpft keinen Knoten.“ Schulleiter Frank Heiwig tätigte schließlich den symbolischen Mausklick anstelle des Schleifendurchschnitts und alle konnten sich stolz vor und auf die fertiggestellten Bänken zum Gruppenfoto aufstellen.
si

Weitere Informationen
Projektwebsite
Website der Beruflichen Schule Kirchhain
Website des Deutschen Werkbundes Hessen e. V.

Webredakteur-LKB

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