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Der Wind der Kreativität bläst in Nordhessen

Während das große internationale Festival „Bewegter Wind“ leider der aktuellen Pandemie zum Opfer fiel und das 10. Jubiläum auf das nächste Jahr verlegt werden musste, konnte zumindest die Arbeit der Kinder und Jugendlichen mit dem Naturphänomen „Wind“ als künstlerische Ausdrucksform realisiert werden. In den Sommerferien beschäftigten sich die Teilnehmenden zwischen neun und 15 Jahren in vielfältiger Weise bei Tagesworkshops mit dem Wind und seinen bewegenden Möglichkeiten.

Abschlusspräsentation als ganztägige Ausstellung
Der heiße Sommertag des 16. Augusts war genau die richtige Atmosphäre für die Präsentation der vielen Windobjekte und -aktivitäten, die im Laufe von zwei Wochen von den Kindern und Jugendlichen erschaffen wurden. In der großen Alten Dreschhalle in Liebenau-Lamerden war genug Platz für Abstand, um sich die entstandenen Kurzfilme anzuschauen und dem Windtheater beizuwohnen. Draußen auf dem Platz kullerten Windobjekte ihres Weges und begrüßten Windmobilés die Besucher*innen sowie den in Kanus vorbeirauschenden Diemel-Tourist*innen. In kleinen Führungen erklärten die jungen Windkünstler*innen ihre Kunstwerke. Winddrachen wurden gebastelt, die die Geister der Luft darstellen sollten und ein kleines Konzert mit den Brumbögen begeisterte das Publikum. Außerdem hatten die Kinder und Jugendlichen sich selbst portraitiert und daraus Winddrachen aus wetterfestem Papier hergestellt, welche sie auf dem großen Sportplatz hinter der Dreschhalle gemeinsam steigen ließen. Ein schönes Bild erzeugten die vielen kreativen Windportraits gegen den blauen Himmel. Schließlich luden die Kinder und Jugendlichen der Film-AG die Besucher*innen zu Windinterviews ein.

Professionelle Wind-Künstler*innen aus ganz Deutschland arbeiteten mit den Kindern und Jugendlichen
Zwar mussten die vielen internationalen Künstler*innen, die normalerweise zum Festival „Bewegter Wind“ anreisten, um ihre Kunst in die nordhessische Landschaft zu integrieren, leider fernbleiben, trotzdem fanden nationale Künstlerinnen dank der Workshops für Kinder und Jugendliche Möglichkeiten für ihre Windkunst. Dorothea Kirsch aus Gillenbeuren beispielsweise beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit unter anderem mit Mobilés und hängenden Objekten. Mit den Teilnehmenden hat sie nun nach spannenden Materialien gesucht und deren Beweglichkeit erforscht und schließlich im richtigen Gleichgewicht dem Spiel des Windes anvertraut. Die Kasseler Künstlerin Kordula Klose beschäftigte sich in ihrem Workshop mit Windwippen: Wie kleine Segel auf runden stabilen Füßen wurden Objekte erzeugt die so lustig im Wind zu wippen verstanden. Anke Sauer ist seit über 30 Jahren Drachenbauerin und auf internationalen Drachenfestivals mit ihren vielgestaltigen Luftkunstwerken unterwegs. Mit den Kindern und Jugendlichen baute sie Windgeister aus allem möglichen gefunden Material von Videobändern zu Kordeln oder Plastiktüten und Brumbögen, um mit den Geistern zu kommunizieren sowie Portraitdrachen. Wie sich die Teilnehmenden selbst sehen oder auch gerne sehen wollten, konnten sie voll und ganz in ihre Portraitdrachen projizieren, um diese schließlich in die Lüfte steigen zu lassen. Die Organisatorin Reta Reinl packte mit den Teilnehmenden die Nähmaschine aus und nähte lustige bunte Windgestalten. Auch im Theaterspiel oder mit den Mitteln des Films wurde dem Wind auf den Grund gegangen:  Mit der Schauspielerin Bärbel Kandziora konnten Geschichten in den Wolken am Himmel entdeckt und kleine Spielsequenzen daraus entwickelt werden und die Filmemacherin Beate Görde, aus Köln angereist, erschuf in ihrem Workshop mit den Teilnehmenden kleine poetische Experimentalfilme über den Wind. Außerdem konnte die Filmgruppe ihre erlernten Fähigkeiten zur Abschlussveranstaltung direkt bei der Erstellung von kleinen Windinterviews mit den Besucher*innen unter Beweis stellen.

Rundum gelungen: Zielgruppe, Künstlerinnen und Organisatorin zeigten sich zufrieden
Während Lennard sich jetzt eine Filmkamera wünscht, weiß Anton, dass er zu Hause mit Mutters Nähmaschine noch viel Zeit verbringen wird. Für Kinder und Jugendlichen waren die beiden Sommerferienwochen eine inspirierende Erfahrung voller neuer Erlebnisse und entdeckten Fähigkeiten. Anke Sauer konnte nur betonen, wie wichtig es sei, dass die Kinder und Jugendlichen sich frei ausprobieren und experimentieren können, denn häufig merke man, dass sie sich zunächst nicht so richtig trauten, einfach mal etwas auszuprobieren. Vielleicht sei der Leistungsdruck seitens Schule und Gesellschaft oftmals zu stark, als dass sie sich frei fühlten, auch scheitern zu können. Die Eltern der Teilnehmenden zeigten sich sehr stolz und waren froh über das vielfältige Angebot, wodurch ihren Kindern so viele verschiedene Techniken nähergebracht wurden. Besonders zufrieden und erleichtert war aber gerade auch Reta Reinl, die Organisatorin des Ganzen. Im Zuge der Pandemie hatte sie sich zunächst kaum vorstellen können, wie die Workshops doch noch gut umzusetzen seien. Das jetzt – bis auf zwei Workshopformate – alles so reibungslos stattgefunden habe, erfreut Reinl zutiefst. Für das hoffentlich im nächsten Jahr stattfindende Jubiläum des Festivals sei sie nun sehr gut gerüstet, was die Organisation von Workshops für Kinder und Jugendliche anbelangt, da dieses Format ja in diesem Jahr Premiere hatte.

Weitere Informationen
Bewegter Wind – Das Festival
Kleiner Wind – Die Workshops
Hofgeismar aktuell – Artikel vom 02.08.2020
HNA – Artikel vom 10.08.2020

Webredakteur-LKB

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