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Aarbergen druckt

Die kleine Gemeinde Aarbergen im Taunus hat sich im Laufe des Jahres eine gut ausgestattete Druckwerkstatt erarbeitet. Bereits in 2018 war sie Kooperationspartner des Schuldruckzentrums Darmstadt. Hierbei machten die Teilnehmenden erste Erfahrungen mit dem Drucken. Dabei sollte es nicht bleiben, denn in 2019 wollte man gemeinsam mit der Hilfe der Darmstädter ein eigenes Druckzentrum errichten.

Die Gruppe formiert sich
Die wunderbaren Erfahrungen aus dem Vorjahr hatte die Aarberger nicht losgelassen. Schnell war klar, dass aus dem einmalig in 2018 Gelernten eine dauerhafte Einrichtung werden sollte. So beschloss das Darmstädter Schuldruckzentrum, der emsigen Gemeinde beim Startschuss ins eigene Druckerleben behilflich zu sein. In diesem Jahr fokussierte sich die Gemeinde darauf, den Grundstock für das Kreativvorhaben zusammenzutragen und einen festen Kreis von Ehrenamtlichen zu etablieren, der das Projekt hauptverantwortlich führen sollte. Im September hatte sich dann eine Gruppe von acht Menschen zusammengefunden: Eine bunte Mischung aus angehenden und ausgebildeten Erzieher*innen, Rentner*innen und einem türkischen Ehepaar freute sich auf die gemeinsame Herausforderung. In Absprache mit dem Darmstädter Schuldruckzentrum schaffte man sodann notwendige Materialien wie Druckstock, Walzen, Buchstabensets und Farbe an. Viele der Materialien zum Herstellen der Druckvorlagen können aber auch aus gebrauchten Produkten recycelt werden – Druckermeister Matthias Heinrichs aus Darmstadt kennt da viele Tipps und Tricks, ein solches Vorhaben mit einfachen Mitteln zu realisieren. Dank der wohlgesonnenen Gemeinde fand das Vorhaben auch eine erste feste Herberge im Dorfgemeinschaftshaus, wo die Arbeitsmaterialien gelagert werden können und im angrenzenden Raum gearbeitet werden darf. Dauerhaft wünscht sich die Gruppe allerdings einen eigenen Raum, wo die Druckwerkstatt fest installiert bleiben kann und nicht immer wieder abgebaut werden muss. Gleichzeitig bemüht sie sich aber auch darum, mit der Druckwerkstatt mobil zu sein, um die jetzt schon an die Arbeitsgruppe herangetragenen Anfragen von Kitas, dem Seniorenstift und der VHS auch in den jeweiligen Einrichtungen bedienen zu können. Geübt wurde das Ganze auch gleich auf dem Weihnachtsmarkt im Ortsteil Michelbach, wo eine mobile Druckstation zum Weihnachtskartendruck aufgebaut wurde.

Zweiter Workshop mit vielen Herausforderungen bewältigt
Ein großer Workshop fand am letzten Novemberwochenende statt. Am Freitag wurde in der Gruppe geübt und ein Konzept für die Durchführung überlegt, am Samstag konnten die Kinder und Jugendlichen die Druckwerkstatt kennenlernen und unter Anleitung kreativ sein. Insgesamt 15 Teilnehmende zwischen fünf und 15 Jahren unterschiedlichster Herkunft nahmen das Angebot wahr. Ein eifriges Wirrwarr herrschte im für die Anzahl doch recht engen Raum und am Ende konnte man viele sehr kreative Arbeiten bewundern, die auf der quer durch den Raum gespannten Leine trockneten. Zu Beginn konnten die Teilnehmenden ihren Namen auf einem Button gestaltet, dann gab es drei Druckstationen: Vorlagen basteln, Farbe aufbringen, Drucken. In einer gemeinsamen Feedbackrunde konnte das Wochenende konstruktiv resümiert werden: Lernen durch Zeigen – den sogenannten „stummen Impulsen“, Vorstellen von vielen unterschiedlichen Methoden, herausragende Drucke für alle vervielfältigen. Im Gespräch wurde schnell klar, dass es die ein oder andere Regel für die Workshops braucht, wie gut strukturierte Arbeitsbereiche – wer kümmert sich um welche Station, eine handhabbare Teilnehmer*innenanzahl sollte festgelegt, Druckregeln müssten aufgestellt werden. Diesmal kamen die Teilnehmenden zu unterschiedlichen Zeiten und bekamen zeitversetzt ihre Einführung, sodass sich alles etwas entzerren konnte. Herausfordernd würde es natürlich dann werden, wenn alle gleichzeitig beginnen. Hierzu bräuchte es noch eine gute Aufteilung, um Staus an den Stationen zu vermeiden. Auch wenn die frisch gebackenen Workshopleiter*innen im größten Trubel den Eindruck hatten, dass alles sehr chaotisch abgelaufen war, so konnte doch positiv rückgemeldet werden, dass von außen betrachtet das Arbeiten sehr zielgerichtet und ruhig, sehr konzentriert und kooperativ gewirkt hatte. Auf jeden Fall war die Gruppe sehr stolz auf den gelungenen Workshop, wo auch komplizierte Momente, wie das Erklären von Schriftdruck und der Tatsache der Seitenverkehrung, auch bei gering vorhandenen gemeinsamen Sprachkenntnissen sehr gut bewältigt wurde.

Aarbergen – eine Bilderbuchgemeinde
Kulturelle Bildung ist in Aarbergen auf jeden Fall ein wichtiger Bestandteil im Gemeindeleben. Beate Schmitt und Sabine Thomas sind die Ansprechpartnerinnen der Gemeinde im Rathaus und freuen sich immer wieder, wenn sie einem neuen spannenden Angebot Hilfestellung auf dem Weg zur dauerhaften Einrichtung geben können. So wir es im kommenden Jahr weitere Fortbildungsworkshops vom Darmstädter Schuldruckzentrum geben, um der Gruppe die nötige Expertise zur Selbstständigkeit zu verleihen. Nicht nur die Druckwerkstatt entwickle sich zu einem solchen nachhaltigen Projekt, das sich jetzt schon sehr großer Nachfrage erfreue. Bereits die Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk im Herbst 2018 stünde inzwischen in der Gemeinde auf eigenständigen Füßen: Der hessische Rundfunk hatte damals zu einem Poetryslamworkshop ausgeschrieben, zu dem sich eine bunt zusammengewürfelte Truppe zwischen zwölf und über 70 Jahren mit Poetryslammer Dalibor Marković zusammengefunden hatte. Die Gruppe hatte solchen Spaß am gemeinsamen Dichten und Denken, dass sie sich nun weiterhin zum Worte jonglieren träfen und Dalibor Marković einfach direkt für Workshops buchten. Ein selbst organisierter Poetry Slam mit über 100 Besucher*innen sei eine wunderbare Bestätigung für die investierte Kulturarbeit, freut sich Beate Schmitt.
si

Weitere Informationen
Projektbeschreibung
Schuldruckzentrum Darmstadt
Gemeinde Aarbergen
Blogartikel zum Poetryworkshop vom 04.10.2018

Webredakteur-LKB

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