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IM FOKUS: Kooperationspartner*innen

In der Blogreihe IM FOKUS setzen sich die einzelnen Artikel mit speziellen Themen rund um das Förderprogramm auseinander. Zunächst stellt die Reihe Inhalte und Ergebnisse der thematischen Arbeitsgruppen im Rahmen des Netzwerktreffens am 11. September 2018 vor. Der folgende Artikel widmet sich der Thematik der Kooperationspartnerschaften  – wie man sie findet, wie man sie hält. Antje Erdemann, Projektleitung des Förderprogramms Kulturkoffer, stand der Arbeitsgruppen als Moderatorin zur Verfügung.

Schule + Projektträger = Kooperation = Herausforderungen + Potentiale

„Der schulische Kooperationspartner sieht das Projekt durchaus als Bereicherung seines schulischen Angebotes. Weigert sich aber, Verantwortung für das Projekt zu übernehmen. Der kompetente außerschulische Partner wird es schon machen, da braucht die Schule nicht viel dazu zu tun. Wie gelingt es, den schulischen Kooperationspartner mit in die Verantwortung für das Projekt zu nehmen, ihn als Mitveranstalter zu etablieren?“

Das ist nur eine der von den Workshop-Teilnehmenden mitgebrachten Fragen zum Thema „Kooperationspartner*innen“ und macht sogleich deutlich, dass eine Zusammenarbeit auch Herausforderungen und Konflikte hervorbringen kann. Die zehn Teilnehmenden wandten sich in der einstündigen, themenspezifischen Zusammenkunft neben den Chancen der Zusammenarbeit besonders den Herausforderungen zu. In der Diskussion wurde schnell deutlich, dass den Diskutanten vor allem der Themenschwerpunkt „Kooperationen mit Schulen“ ein Anliegen war. Ergebnis des Zusammentreffens waren benennbare Gelingensbedingungen für eine zielführende Kooperation.

Die Kooperation selbst
Eine Kooperation ist eine Zusammenarbeit von mindestens zwei selbständigen Akteur*innen, die für eine bestimmte Dauer, mit einem bestimmten Zweck und mit dem Ziel, durch die Bündelung von Ressourcen Vorteile aus der Zusammenarbeit zu generieren, zusammenarbeiten. Möchte man als Kulturschaffende*r Kulturelle Bildung mit Kindern und Jugendlichen umsetzen, ist es häufig notwendig, auf die Zielgruppen zu zugehen und in der Entwicklung neuer Zugangswege, Formate und Inhalte aufgeschlossen zu agieren. Ein wesentlicher Eckpfeiler für kulturelle Teilhabe ist dabei die Kooperation mit Partnern. Kollaborationen mit Einrichtungen außerhalb des eigenen Bezugrahmens eröffnen Denkräume und führen zur Weiterentwicklung. Dabei ist es zwingend erforderlich, auch eigene Animositäten zu überwinden – so etwa ein abgrenzendes bis abwertendes Verhältnis zur Soziokultur, zu Phänomenen des Populären, zur sozialen Arbeit oder zum öffentlichen Schulbetrieb.

Welche Voraussetzungen braucht eine erfolgreiche Kooperation?
Zunächst klingt es so einfach und gut eine Kooperation einzugehen, schließlich haben alle etwas davon – beinahe eine Win-Win-Win-Situation:

  • Win-Situation 1 für Kooperationspartner (z.B. Schule):
    Projekt bietet Mehrwert, z.B. für schulisches Angebot.
  • Win-Situation 2 für Akteur*in:
    Kulturakteur*in kann seine/ihre Formate, Ideen und künstlerischen Interaktionen mit den Teilnehmenden der gewünschten Zielgruppe umsetzen.
  • Win-Situation 3 für Teilnehmende:
    Projekt entspricht den Bedarfen der Kinder und Jugendlichen.

Dabei wird schnell klar, wenn einer der Beteiligten keinen Mehrwert aus der Kooperation zieht, oder glaubt keinen zu sehen, wird die Motivation für das Projekt schnell im Arbeitsalltag von anderen Aufgaben überlagert und verliert im persönlichen Tun an Wichtigkeit. Essenziell für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist darum die Ausarbeitung von gemeinsamen und persönlichen Zielen, dabei kann die Motivation hinter dem jeweiligen Ziel unterschiedlich sein. Darüber hinaus gibt es vor der Projektumsetzung einige Aspekte, die unter den Kooperationspartner besprochen werden sollten, um ggf. über die Dauer des Projektes hinaus zielführend zusammen zu arbeiten.

  • Schulen bspw. sind Projektförderungen meist zugetan – besprechen Sie Ihre Ideen mit Ihnen bekannten Lehrkräften oder wenden Sie sich an den Direktor – mit Geld im Rücken, treffen Sie meist auf offene Ohren.
  • Sobald die Projektplanung konkreter wird, sollten Ressourcenpläne (Finanz- und Personalplan) und ein Zeitplan (inkl. fixer Besprechungstermine) erstellt und diese gemeinsam besprochen werden.
  • Die Person oder Institution muss im Vorfeld benannt werden, die sich um die Projektumsetzung kümmert bzw. für das laufende Projekt die Verantwortung trä Notwendig ist hierbei, zu fixieren welche Handlungs- und Weisungsbefugnisse die Person innehat. Im schulischen Kontext ist zu empfehlen, eine feste Lehrkraft als Ansprechpartner*in zu haben.
  • Um ein Verantwortungsgefühl für das Projekt bei allen Kooperationspartner zu verankern, scheint es sinnvoll, Aufgabenbereiche klar zu verteilen, um gleichberechtigt zu agieren. Dabei sind Ungleichgewichte zu vermeiden.
  • Es empfiehlt sich, ggf. einen Kooperationsvertrag abzuschließen, der die einzelnen Aufgaben der beteiligten Akteur*innen festlegt.
  • Maßgebend und Grundvoraussetzung für das Gelingen einer Kooperation ist – wie in jeder funktionierenden Partnerschaft – eine gute Kommunikation. Diese kann unter anderem dadurch erreicht werden, dass Probleme und Unstimmigkeiten von Anfang an und von allen Beteiligten ehrlich und konstruktiv angesprochen und auch die Mitarbeiter*innen in diesen Austausch mit einbezogen werden. Regelmäßige Besprechungsrunden sind deshalb unabdingbar.
  • Für die Zusammenarbeit mit Schulen ist darüber hinaus zu empfehlen, dass man die Angebote am Vormittag platziert und an eine ganze Klasse richtet. Dabei ist das Arbeiten mit Schüler*innen der 7. und 8. Jahrgangsstufe zu empfehlen. In den Vorbesprechungen sollte das Abkommen angestrebt werden, die Zeitfenster für das Projekt nicht in den 45-Minuten-Takt des Schulalltags zu pressen, da dadurch kein konzentriertes, fokussiertes und intensives künstlerisches Wirken gelingen kann.
  • Generell gilt zudem: Die Chemie zwischen den Kooperationspartner*innen muss stimmen, sonst hilft die beste Strategie nichts. Hierzu gehört auch, dass der künstlerische Autonomiegedanke überwunden wird, sodass künstlerische und organisatorische Sicht- und Arbeitsweisen miteinander harmonieren.

Vorsicht, Konfliktpotential!
Wenn Menschen zusammenarbeiten, kann es immer zu unterschiedlichen Wahrnehmungen, unklaren Situationen und daraus resultierenden Konflikten führen. Bei Kooperationen lassen sich drei Arten von Barrieren erkennen: Nicht-Können, Nicht-Dürfen und Nicht-Wollen.

  • Nicht-Können:
    Man kann nicht agieren wie man möchte, da finanzielle oder personelle Ressourcen fehlen, sodass bspw. keine Zeit für Gespräche vorhanden ist.
    Aus mangelnder Erfahrung kann nicht der passende Partner gefunden oder die Kooperationen gelebt werden.
    Es kann schwer für Kooperationspartner sein, die Bedürfnisse des anderen zu erkennen und auch anzuerkennen.
  • Nicht-Dürfen:
    Eine unklare Aufgabenverteilung – Wer ist Ansprechpartner in der Schule für das Projekt?
    Mangelnde Zuweisung von Entscheidungs- und Handlungskompetenzen, bspw. bei der Raumorganisation und -vergabe.
  • Nicht-Wollen:
    Institutionsleiter*innen und/oder Künstler*innen sind (bewusst/unbewusst) in mentalen Barrieren verankert.
    Projekt greift (aufgrund unzureichender Absprachen im Vorfeld) stärker als gedacht in Routine-Abläufe/den Schulalltag ein sodass ein unausgesprochener Widerstand gegen die Kooperation entsteht.

Gemeinsam am Ziel
Trotz der komplexen Aufgaben, verschiedener Meinungsbilder mit ihren spezifischen Bedürfnissen und Zielen in einer Kooperation zu vereinen, kann eine Zusammenarbeit zahlreiche Vorteile hervorbringen. Kulturschaffende können neue Zielgruppen erreichen, ein interdisziplinärer Wissensaustausch kann aktiv vorangetrieben werden. Gleichzeitig können die Partner durch das gemeinsame Mehrangebot ein attraktives Leistungsspektrum anbieten und damit nach außen wirken. Im Sinne einer aktiven Vernetzung von Bildungsträgern in Ihrer Region, seien Sie bereit, das Abenteuer Kooperation einzugehen, den offenen Austausch zu suchen und damit eine Bildungslandschaft aufzubauen. Am Ende wird es sich lohnen.

Von Antje Erdmann und Ann-Kathrin Schmidt

Weitere Informationen
Blogartikel zur Netzwerkveranstaltung in Marburg vom 20.09.2018
Blogartikel: IM  FOKUS: Kulturelle Bildung im ländlichen Raum vom 20.11.2018
Blogaratikel: IM FOKUS: Nachhaltige Projektarbeit vom 15.12.2018
„Themenheft Bündnis. Potenzial: Kooperation. Bündnisarbeit zwischen Kultur, Sozialraum und Bildung“, herausgegeben von der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V.
Muster eines Kooperationsvertrags

Webredakteur-LKB

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