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Gamelan-Musik in der Reformschule Kassel

Ulli Götte und Jochen Zülch vom Zentrum für interkulturelle Musik steckten die Kinder der Reformschule in Kassel im September eine Woche lang mit ihrer Begeisterung für die Kultur aus Java an. Gemeinsam wurde eine Geschichte in Form des javanischen Schattenspiels eingeübt und mit javanischer Gamelan-Musik begleitet. Schließlich konnten die 23 Schüler*innen der Klasse 3 bis 5 das Gelernte beim 30-jährigen Schuljubiläum darbieten.

Klänge aus Fernost in der Turnhalle
Kurz vor Vorstellungsbeginn stellte sich eine natürliche Nervosität in der Turnhalle ein, die Kinder tollten umher und kletterten an den Turngeräten empor – das erste Lampenfieber. Gleich sollten andere Klassen, Lehrer*innen und vor allem auch die Eltern zur Vorstellung kommen. Und endlich saßen alle startbereit auf ihren Positionen, nachdem auch die Klasse 0 bis 2 endlich eingetroffen war. Zunächst führten die Kinder zur Diashow in die Geschichte des Schattenspiels und der Gamelan-Musik ein. Sie erläuterten, wie die Gongs und die Figuren hergestellt werden und welche Rolle Schattenspiel und Musik in der Kultur der Insel spielt. Häufiges Thema dort sei das Spiel zwischen Gut und Böse. Nun folgte die Geschichte von der Ameise und der Heuschrecke: Die beiden Tiere müssen über einen Fluss, aber die Ameise fällt hinein und die Heuschrecke versucht, Hilfe zu holen. Dabei muss sie von Tier zu Tier wandern, da jedes eine Bedingung stellt, um sich überhaupt zur Hilfe bereits zu erklären. Glücklicherweise kann die Heuschrecke die Ameise am Ende doch aus den Fluten befreien mit dem Fazit, dass man seinen Freunden einfach beistehen müsse. Die Aufgaben waren optimal verteilt: Zwei ältere Kinder trugen in recht professionell theatraler Weise die Geschichte vor und ahmten die verschiedenen Tierstimmen nach, während die Schattenspieler*innen hinter der bestrahlten Bühne ihre Figuren tanzen ließen und die Musikgruppe Stimmungen untermalte und zwischendurch Lieder zum Besten gab. Die Gäste waren begeistert und bekamen natürlich auch noch eine Zugabe. Gemeinsam bauten die Darsteller*innen im Anschluss glücklich und zufrieden das Großaufgebot an Instrumenten ab und in Windeseile war die natürliche Beschaffenheit der Turnhalle wiederhergestellt.

Neugier wecken, das Fremde kennenzulernen
Das Zentrum für interkulturelle Musik möchte viele verschiedene Menschen ansprechen, sich mit fremden Kulturen über den Weg der Musik und der Kunst auseinander zu setzen. Tatsächlich sei es für jede Schulform, gleich, welchen Niveaus, wichtig, Einblicke in fremde Kulturen zu erlangen und diese darüber verstehen zu lernen, meinte Ulli Götte vom Zentrum. Gemeinsam könne geschaut werden, was uns allen fremd ist und dadurch wiederum die Neugier geweckt werden, das Fremde genauer kennenzulernen. Nicht nur Schulen, auch Altenheime und andere Einrichtungen sollen zukünftig in den Genuss der besonderen Klänge aus Fernost kommen. Speziell bei der Reformschule in Kassel war der Standard des jahrgangsübergreifenden Lernens sehr von Vorteil – Vorklasse bis 2. Klasse, 3. bis 5. Klasse, 6. bis 8. Klasse und 9. bis 10. Klasse bilden jeweils eine gemeinsame Klasse. Diese Mischung sei für das gemeinsame Arbeiten spannend und fruchtbar gewesen, denn für jedes Kind konnte altersgerecht eine Aufgabe im gemeinsamen Spiel gefunden werden. Während der gemeinsamen Zeit kamen auch immer wieder andere Klassen vorbei, die von den Schüler*innen einbezogen wurden. Die genutzten Instrumente stammten alle direkt aus Indonesien. Besonders beim Gamelan sei das Zusammenspiel der verschiedenen Künste Sprache/Text/Bild/Ton wichtig, erklärte Ulli Götte. Die Struktur der Musik sei für unser europäisches Gehör eher ungewöhnlich und müsse erlernt und verstanden werden. Grundsätzlicher Ansatz der Arbeit des Zentrums sei es, Fremdes vertraut zu machen. Dafür eigne sich das zum Weltkulturerbe erklärte Schattenspiel aus Java besonders gut.

Ankündigung
Wer noch mehr zum Thema Gamelan-Musik erfahren will, dem sei das 2. Internationale Gamelan-Festival in Kassel im Kulturbahnhof vom 22. bis 25. November 2018 empfohlen. Hier wird Ulli Götte auch einen offenen Workshop zum Kennenlernen anbieten.
si

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Webredakteur-LKB

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