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Gestalten kann man lernen

Eine Woche lang vom 15. bis 24. November wurde die Ausstellungshalle „Galerie im Glashaus“ im oberhessischen Rauschenberg mit Arbeiten von über 40 Jugendlichen aus dem Umkreis bestückt, die an dem Projekt NachwuchsGestaltungsPreis 2019 teilgenommen hatten.

Reden, Musik und kreatives Catering zur Eröffnung
Die gläserne Ausstellungshalle in Rauschenberg erstrahlte hell im Nachthimmel und war zur Eröffnung am Abend des 15. Novembers mit über 90 Gästen gut besucht. Eine lobende Rede folgte der nächsten: Nicht nur Designer und Projektinitiator Horst Barthel freute sich mit Wolfram Moniac, dem Vereinsvorsitzenden des initiierenden Kulturvereins Kulturherbst Burgwald, über das gelungene Ergebnis und die zahlreichen Gäste. Auch die Landrätin Kirsten Fründt, die sich als Schirmherrin für das Projekt gewinnen ließ, lobte die gleichwohl kreative wie praktische Projektidee, denn hier würde die Frage nach dem Entstehungsprozess von Objekten konkret erfahrbar. Sie betonte, wie stark die Region gerade durch solche Projekte maßgeblich Akzente auf kulturelles Schaffen lege, wie es bereits durch die seit 2016 stattfindende Rauschenale passiere. Dem schlossen sich stolz die Rektoren der drei in Kooperation beteiligten Schulen Mittelpunktschule Wohratal, Alfred-Wegener-Schule Kirchhain und Martin-von-Tours-Schule Neustadt an und hoben zudem hervor, wie gut und bereichernd die Zusammenarbeit mit den externen Kräften für die Schulen als Institution gewirkt hatte. Gerade für die Arbeit im Handwerk sei das Wissen um kreative Prozesse und das Verständnis von Gestaltung in Form und Farbe extrem wichtig, fügte Stephan Becker von der Tischlerinnung Marburg sich in die lange Liste der Redner ein, aber ließ auch noch den Bürgermeistern der beteiligten Ortschaften ein Wort der Begeisterung für das Projekt übrig. Die Jugendlichen wiederum wollten nicht unbedingt vor versammeltem Publikum reden, dafür boten sie kreatives Catering an, schwangen das Tanzbein zu den musikalischen Darbietungen der Schulband, feierten sich selbst und zeigten an den eigens dafür vorgesehenen Kreativ-Tischen, worin sie inzwischen Profi geworden waren.

Der lange Weg zur Ausstellung
Horst Barthel hatte sich sehr spontan auf die tolle Projektidee eingelassen und in letzter Minute den Antrag gestellt, der schließlich tatsächlich von der unabhängigen Kulturkoffer-Jury als förderwürdiges Projekt ausgewählt wurde. Nun hieß es, ran ans Werk und es verwirklichen – was in der Theorie zunächst recht einfach schien. Das ursprüngliche Vorhaben, dass jede*r Teilnehmende auch am Ende ein selbst designtes Möbelstück vorweisen kann, war für die kurze Zeitspanne von neun Monaten mit völlig unerfahrenen Jugendlichen dann doch etwas naiv gedacht, meinte Barthel schmunzelnd. Natürlich mussten die Teilnehmenden erst einmal an grundsätzliches Handwerkszeug, wie freies Zeichnen und gestalterisches Verständnis herangeführt werden. Trotzdem war das Möbelstück von Nico Russ – ein wandelbares Regal – tatsächlich bis zur Ausstellung fertig geworden. Gerade die gemeinsam gesammelten Erfahrungen und die im Prozess entstandenen kreativen Kunstprodukte wogen das Dilemma eines sehr hochgesteckten Ziels mehrfach auf: Die Teilnehmenden setzen sich mit Gestaltung, Perspektive, Farbgebung und Formenlehre auseinander, konnten mit den verschiedensten Materialien experimentieren und nicht nur zeichnerisch-handwerklich, sondern auch medial tätig werden. Besonderen Augenmerk richteten sie dabei auch auf die Nachhaltigkeit und formten alltägliche Wegwerfware in Kunst um. Dass man die zu verwirklichenden Ideen und die Mittel dazu frei wählen konnte, spornte die Teilnehmenden an, sich dem kreativen Prozess offen hinzugeben. Zudem sei im Laufe des Prozesses ein Netz zwischen drei verschiedenen Schulen, Künstlerateliers und Handwerksbetrieben entstanden, was durchaus ausbaufähig sei, meinten alle Beteiligten. Besonders für junge Menschen vor der Berufswahl könne ein unvoreingenommener kreativer Blick auf verschiedene Gewerke neue Wege aufzeigen. Außerdem sei der gesamte Prozess von der ersten Idee, über die Art und Weise der Umsetzung bis hin zur geeigneten Präsentation eine enorme Unterstützung für die eigene Wertschätzung und Selbstfindung.
si

Weitere Informationen
Projektbeschreibung
Artikel auf der Website der Martin von Tours Schule in Neustadt
Artikel im Sonntag-Morgen-Magazin vom 21.11.2019

Webredakteur-LKB

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