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Goethe in Flörsheim

Passend zur Goethewoche hatte sich das neue Kreisjugendtheater des Main-Taunus-Kreises etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Am Samstag, dem 15. September um 11 Uhr war die Premiere eines theatralen Spaziergangs durch Flörsheim auf den Spuren des berühmten Dichters. Insgesamt wurde das Stück viermal vor Publikum präsentiert.

In sechs Stationen durch Flörsheim
Startpunkt des Stationentheaters rund um Goethe war der alte Flörsheimer Mainturm aus dem 16. Jahrhundert, wo die Zuschauer*innen mit Programmheften und Wasser für den aufkommenden Durst unterwegs versorgt wurden. Goethedarsteller Mathias Seider empfing das Publikum hoch oben auf der Mauer wandelnd. Kostüme aus längst vergangener Zeit gepaart mit einer Rapdarbietung über Sardellen – gekonnt führte die Theatergruppe vielschichtig und kurzweilig in Goethes Kindheit ein. Man erfuhr, dass Goethes Hang zum guten Essen und wilden Geschichten schon seit seiner Kindheit ausgeprägt waren. Einer Puppentheatersequenz folgte das gemeinsam gesungene Lied „Muss i denn aus dem Städele hinaus“, mit dem die bunte Truppe aus Darsteller*innen und Publikum sich von Troubadour René Kreuter zur nächsten Station im Flörsheimer Rosengarten führen ließ. Hier ging es umgeben von roten Rosen natürlich um Goethes Leidenschaft für die Frauen, worüber aus den Wipfeln der Bäume zum Publikum rezitiert und gesungen wurde. Mit „Du liegst mir am Herzen“ brachte Daria Schirmer ihre erste Operneinlage. Am Weinprobierstand wurde mit„Trink, Brüderlein trink“ nicht nur Goethes Neigung zum Alkohol sondern auch die Freundschaft zu Schiller verhandelt. Die Kräuter der Grie’ Soß durften natürlich nicht fehlen, denn der Legende nach war Goethes Großmutter immerhin die Erfinderin der überregional bekannten Traditionsspeise. Die vierte Station erweckte Reineke Fuchs zum Leben – „Versuch’s doch mit Gemütlichkeit“ und die kuriose Geschichte vom Diebstahl des Schillerschen Schädels aus der Weimarer Fürstengruft, den Goethe geklaut haben soll, kreuzten sich gekonnte am Mainufer. Per Megafon lockten Reime über Goethe den Main abwärts:
„Goethe war gut,
man der konnte reimen,
wenn ich es versuch,
schwitz ich Wasser und Blut…“
Die vorletzte Station am oder besser im Brunnen bewegte die Gemüter sehr, denn das große Leid der Frauen auf Goethes Weg kam zur Sprache. Dieses wurde hier mit einem herzzerreißenden Opernstück und auf dem Weg zur letzten Station mit einem Song von Amy Winehouse unterstrichen. Zum Finale führte man das Publikum ins Flörsheimer Heimatmuseum, das als das Geburtshaus von Goethes Großmutter gilt. Hier erzählte das Puppentheater die Museumsgeschichte und die Darsteller*innen bekamen nach einem gemeinsamen Lied so viel Applaus, dass noch eine Zugabe fällig wurde.

Dichtung und Wahrheit
Maßgeblich hatten sich Theaterpädagoge Gerd Müller-Droste und Theatermacherin Liora Hilb mit Asja Jarzina vom Main-Taunus-Kreis gemeinsam eine Grundlage für das Vorhaben der Spurensuche des Kreisjugendtheaters überlegt. Dabei spielte die autobiografischen Schriften Goethes genauso eine Rolle wie seine Werke. Innerhalb der Gruppe trugen dann alle ihren Teil bei, viele neue Ideen kamen dazu und es wurde mit rauchenden Köpfen geschrieben und am Text gefeilt. Dass das Vorhaben gelungen ist, spürte man sofort bei der Premiere, denn nicht nur Können, sondern auch viel Freude an der Theaterarbeit wurde hier transportiert. Bereits im letzten Jahr hatte sich mit einem großen Coaching das Kreisjugendtheater gegründet und sich mit Goethes FAUST beschäftigt. Einige Darsteller*innen aus dem letzten Jahr waren jetzt wieder mit dabei, aber auch viele Neuzugänge sind zu verzeichnen. Zudem gelingt mit diesem Projekt Integration, den unter den Darsteller*innen finden auch Geflüchtete ihren Platz und erfahren spielend mehr zur Historie und Gegenwart der Region. Man kann gespannt sein, was sich aus dem  Kreisjugendtheater Main-Taunus zukünftig noch entwickeln wird.
si

Weitere Informationen
Main-Taunus-Kreis, Der Kreisausschuss, Amt für Jugend, Schule und Kultur
Projektbeschreibung
Artikel im Höchster Kreisblatt vom 11.09.2018
Artikel in der Main-Spitze vom 16.09.2018

Webredakteur-LKB

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