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Kultur-Anstifter musizieren mit Minister Boris Rhein in Bad Zwesten

Bei den Ferienspielen in Bad Zwesten im Schwalm-Eder-Kreis konnte das Kultur-Anstifter-Mobil des Theaters 3 hasen oben an zwei Tagen den ortsansässigen Kindern zwischen 10 und 12 Jahren ein vielfältiges Ferienprogramm in idyllischem Umfeld bieten. Auch Kunst- und Kulturminister Boris Rhein machte auf seiner Sommerreise durch Hessen Halt, um gemeinsam mit den jungen Teilnehmer*innen zu musizieren.

Das KAMobil machte in Niederurff Geräusche
Über 16 Kinder aus den verschiedenen Ortsteilen von Bad Zwesten strömten an diesem sonnigen Morgen des zweiten Workshoptags auf das Grundstück von Steffan Kiessling, der sich gleich am Flusslauf der Urff im Ortsteil Niederurff gelegen, ein sommerliches Domizil geschaffen hat. Ein Sommerblumenstrauß in einer schattigen Strohballenburg begrüßte die Gäste auf dem Weg zum KAMobil – dem ausgebauten Wohnwagen der Kultur-Anstifter, mit dem das Theater 3 hasen oben im gesamten Schwalm-Eder-Kreis den Sommer 2018 über unterwegs ist, um Menschen zum aktiven Mitgestalten in Sachen Kunst und Kultur zu animieren. Schwerpunkt des zweitägigen Workshops war es, die Idee des Geräuschemachers beim Film aufzugreifen, im theatralen Spiel einzubinden und Aktivitäten mit passenden oder auch skurrilen Geräuschen live zu untermalen. Bereits zum Theaterstück „Schneewittchen“ des Theater 3 hasen oben wurden Bewegungen und Aktionen mit Geräuschen und Musik nicht nur unterlegt, sondern sogar karikiert, wenn beispielsweise das Schminken unter den Klängen einer Säge quietscht.

Der Banana Song im großen Kreis
Alles begann wie üblich: in einem großen Kreis trafen sich die Kinder, um sich gemeinsam aufzuwärmen und ins Spiel zu kommen. Aber auch anwesende Erwachsene wurden gerne im Kreis aufgenommen. Nun mussten sich alle in absoluter Zeitlupe bewegen: Rennen, Hüpfen, Grimassen ziehen – alles in „Slowmotion“. Die nächste Runde forderte die Kinder dazu auf, die vorgegebene Bewegung im Kreis immer größer werden zu lassen. Ohne die Zähne zu zeigen wanderten anschließend Geräusche und ganze Sätze durch den Kreis. Schließlich tönten alle laut den „Banana Song“, den die Kinder vom Vortag kannten und da war es auch schon soweit: der mit Spannung erwartete Gast, Kunst- und Kulturminister Boris Rhein, trat in die muntere Runde.

Hurra, der Minister kommt!
Mit dem Ehrengast, der bereits erwartet wurde ,nahmen auch Kollegen der Landrosinen – dem Kulturnetzwerk des Schwalm-Eder-Kreises, zudem das Theater 3 hasen oben gehört, sowie Manfred Paul, der Parlamentsvorsitzende von Bad Zwesten und Bürgermeister Michael Köhler am Termin teil. Der Minister wurde von der Landtagsabgeordneten Claudia Ravensburg begleitet. Nach der offiziellen Begrüßung ging es ans gemeinsame Musizieren: Auf einem Tisch ausgebreitet fand man nicht nur Musikinstrumente, sondern auch Alltagsgegenstände, mit denen man Geräusche und Musik machen konnte. Maxi Buck, der neuste Zuwachs im ehemaligen Zwei-Personen-Theater von Silvia Pahl und Klaus Wilmanns, tippte rhythmisch auf der Schreibmaschine und schließlich rezitierte Klaus Wilmanns in dadaistischer Manier, was dabei herausgekommen war: ein Amüsement für groß wie klein. Anschließend durften die Kinder ihre am Vortag erarbeiteten Ergebnisse präsentieren: vertont wurde unter anderem das Schneiden, Schmieren und Essen von Brot. Der Verzehr von Weintrauben ergab allerdings so seltsame Geräusche, dass sie kaum von der Spielerin gegessen werden konnten. Auch der Hausherr Steffan Kiessling fand sich gemeinsam mit Manfred Paul auf der Bühne ein, um spontan das Essen einer Banane mit der Flöte zu vertonen.

Das Spielen lernen
Ein wesentlicher Punkt für die Arbeit der Theatermacher Pahl und Wilmanns ist es, den Menschen das Spielen wieder näher zu bringen und im ländlichen Raum die Mentalität der „Selbermacher“ zu erhalten – „Auf dem Land wurde doch früher immer alles selbst hergestellt, und das oftmals auf sehr kreative Weise“. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben die beiden festgestellt, dass das Spielen teils wieder regelrecht erlernt werden müsse, denn Kinder seien heute oftmals nicht mehr abstraktionsfähig, sondern spielen nur mit dem, was ihnen vorgesetzt würde. Wichtig dabei sei vor allem das Spielen mit dem ganzen Körper, um die körpereigene Erinnerungsfähigkeit und damit die Körperentwicklung zu schulen. Jetzt während der Ferien hätten die Kinder nicht so einen extremen Tunnelblick, wie zu Schulzeiten und könnten sich gut auf Kreatives einlassen. Dass im gemeinsamen Spiel der Wettkampf an diesem friedlichen Ort nichts zu suchen hat und niemand „der Beste“ ist, sondern alle gemeinsam sich gegenseitig unterstützen müssten, um gut zu sein, begriffen die Kinder dann ganz allmählich im gemeinsamen Tun.

Das Konzept Kulturkoffer geht auf
Im Gespräch mit Kunst- und Kulturminster Boris Rhein kam zum Ausdruck, wie wichtig das Förderprogramm Kulturkoffer im ländlichen Raum ist. Dadurch ließen sich viele Formate auf dem Land ausprobieren, womit die Kinder und Jugendliche neue und spannende Anreize bekämen. Wesentlich für die Förderung  sei es, Samen zu sähen in der Hoffnung, dass diese sich nachhaltig weiter streuen und in der Region verankern, so der Minister. Nach wie vor sei die Situation der Kultur auf dem Land nicht einfach. Ein Anreiz, vermehrt aufs Land zu ziehen, wäre in jedem Fall eine kulturell aktive Region, die man stärken müsse. Theater 3 hasen oben wünschen sich auf lange Sicht mehr Räume für die Kultur – zum einen für einen festen Theaterort und zum anderen für die Kinder und Jugendlichen selbst. Dies müsse auch passieren, damit der Nachwuchs nicht weiterhin in die Städte abwandere. Nach dem hohen Besuch kehrte wieder geschäftiges und konzentriertes Treiben bei den Kindern ein: In Gruppen verkleideten und schminkten sie sich und spielten! Hier in der Gemeinde Bad Zwesten ist die Kreativität des Nachwuchses zunächst gerettet!
si

Weitere Informationen:
Pressemitteilung des HMWK vom 18.07.2018
Artikel in nh24.de vom 18.07.2018
Artikel in der Waldeckischen Landeszeitung vom 20.07.2018
Projektbeschreibung 2018

Webredakteur-LKB

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