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Kreatives Komponieren in Friedrichsdorf

Am Sonntagnachmittag, dem 28. Oktober konnten spät angereiste Gäste in der Musikschule Friedrichsdorf nur noch Stehplätze ergattern, denn die Aula war bis auf den letzten Platz besetzt. Grund dafür bot die Ergebnispräsentation des Kompositionsprojekts Klangsprache!, zu der die dreizehn teilnehmenden Kinder und Jugendlichen geladen hatten.

Buntes Musikprogramm von Poltergeist bis Bauchgefühl
Professionell führte eine Moderatorin in die einzelnen Stücke ein, bevor die jungen Komponist*innen ihre Arrangements gemeinsam mit Profimusiker*innen vorstellten. Das Repertoire bot ein breites Spektrum von Hardrock über Jazz und Rap bis hin zu klassischen Klängen. Auch die Auswahl der Instrumente konnte sich hören lassen: Klavier, Schlagzeug, E-Gitarre, Geige, aber auch Bassklarinette, Oboe, Kontrabass und Tuba waren vertreten. Gestartet wurde mit Hardrockklängen unter dem Titel „Dead or Alive“ von Julian, Julius und Severin, unter dem Bandnamen „Brain Surgery“, die sich mit Ereignissen in der Hölle auseinandersetzten. Mit den Brüdern David am Klavier und Bas am Schlagzeug klang alles zunächst sehr chinesisch bis unter dem Titel „Poltergeist“ ein Haus voller Geister zum Leben erwachte. Gerade mal 10 und 12 Jahre alt erzeugten die beiden eine filmmusikwürdige Gruselatmosphäre. Jeremias und Samuel setzten sich – inspiriert durch den Erfinder Philipp Reis – musikalisch mit dem Wandel der Telekommunikation auseinander. Gefühlvoll wurde es bei Ann-Kathrin, Charlotte und Cilian. Die jüngste Komponistin, Julie, überzeugte mit einem berührend-witzigen Song über das Familienleben: „Ich finde es schön, wenn Du mich tröstest, wenn ich traurig bin.“ Im Song „Bauchgefühl“ machte Ben mit Text und Tuba seinem Ärger über einen Freund Luft und die mit ihren 16 Jahren älteste Teilnehmerin, Amelie, brachte gleich zwei Beiträge zum Besten: ein Klavierstück und den Song „The time is running“, bei dem sie das Publikum an ihrer fantastischen Singstimme teilhaben ließ und zu einem fulminanten Finale verhalf.

Inspiriert durch Philipp Reis
Durchaus ungewöhnlich mutete es an, dass der Kompositionsworkshop mit einem Besuch im Philipp-Reis-Haus begann. Der berühmte Mitbürger Friedrichsdorfs hatte einst das Telefon entwickelt, Ruhm und Ehre für diese tief greifende Erfindung allerdings erst nach seinem Tode erhalten. Im Philipp-Reis-Haus konnten die Teilnehmer*innen so einiges über die Geschichte und Entwicklung der Telefonie und der Kommunikation erfahren. Das Telefon selbst hatte Reis nach dem gründlichen Studium des menschlichen Hörapparats entwickelt. Inspiriert durch den Erfindergeist und mit mehr Verständnis für die Physik des Klanges konnten sich die Teilnehmer*innen nun frisch ans Werk machen und ihre eigenen Kompositionen erarbeiten. In verschiedenen Gruppen, in denen sich mit Textarbeit und Musikarrangements auseinandergesetzt wurde, arbeiteten sie insgesamt in nur vier Tagen ihre bewegenden Kompositionen aus. Schulleiter Andreas Graf und Projektleiter Theodor Köhler von der Musikschule Friedrichsdorf waren begeistert: „Alle waren hoch motiviert bei der Sache und hatten wunderbare Ideen.“ Wesentlich an der gemeinsamen Arbeit war, dass den Teilnehmer*innen genug Raum gegeben wurde, sowohl ihre Neigungen als auch ihre Kenntnisse einzusetzen und auszuleben und gleichzeitig immer die Möglichkeit der direkten Hilfestellung gegeben war, um der Altersspanne von 10 bis 16 Jahren gerecht zu werden und keine Frustration aufkommen zu lassen. So hatten auch Kinder die Chance der Teilhabe, die nicht musikalische Vorkenntnisse besaßen. Zwei Kinder aus der Gruppe hatten vor dem Workshop noch gar keinen Kontakt zur Musikschule, während die älteste Teilnehmerin wiederum bereits mit drei Jahren angefangen hatte, Klavier zu spielen. Das führte zu unterschiedlichen Herangehensweisen bei der Umsetzung der Kompositionen: Manche wussten genau, welches Instrument wie einzusetzen sein sollte, andere kamen mehr von der textlichen Seite, die in die Musik übersetzt wurde, wieder andere nahmen den Weg des praktischen Experimentierens. Durch die professionellen Musiker*innen vor Ort wurden die kreativen Ideen sofort in Klänge umgesetzt. Das Ergebnis konnte sich hören lassen und die Teilnehmer*innen gingen stolz und zufrieden und mit Sicherheit auch schon mit der nächsten Komposition im Ohr ihrer Wege.
si

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Webredakteur-LKB

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