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KulturStation Kaufungen setzt auf Kommunikation

Über 200 Menschen jeglichen Alters fanden vom 22. bis 25. August den Weg zur temporären KulturStation Kaufungen auf dem zentral gelegenen Theodor-Heuss-Platz in Oberkaufungen. Unter dem Motto „Platz da!?“ wurden Ideen zur Belebung des meist funktional genutzten Platzes an der Tramhaltestelle gesammelt und umgesetzt.

Kunst-Kiosk tauscht Ideen gegen Süßigkeiten
Ein speziell angefertigter mobiler Kiosk erwartete die Passanten während der Aktionstage auf dem sonst eher ruhigen Theodor-Heuss-Platz in Oberkaufungen. Viele Fragen auf grellgrünen Schildern provozierten zur aktiven Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten vor Ort: „Ist der Platz frei?“, „Was ist schön?“, „Was tust Du auf dem Platz?“, „Wie schmeckt der Platz?“ oder „Warum bleibst Du nicht?“. Am Kiosk konnten Ideen gegen Süßigkeiten getauscht oder es konnte sich kreativ mit den Fragen beschäftigt werden. Gemeinsam hatten die Kunstvermittlerinnen Katharina Reinhold und Karin Thielecke beschlossen, den zwar zentralen aber schlecht genutzten Durchgangsplatz mit Aktionen zum Leben zu erwecken. Mit Uwe Motz aus der angrenzenden Begegnungsstätte und dem Verein zur Förderung der natürlichen und sozialen Umwelt e. V. fanden sie offene Partner vor Ort. Der Grundgedanke der Kunstvermittlerinnen war, Kinder, Jugendliche und ältere Menschen, die sich den Platz im täglichen Leben teilten, in Dialog zu bringen. Die Arbeit in der Kunstvermittlung während der documenta 14 hatte den beiden Kunstvermittlerinnen gezeigt, dass die generationenübergreifenden Angebote im Bereich der Kunst eher spärlich behandelt werden. Daher fiel die Wahl ganz bewusst auf den Theodor-Heuss-Platz, denn, gelegen zwischen der Gesamtschule und einer Generationenwohnanlage, dient er als idealer Knotenpunkt zwischen Jung und Alt.

Offene Gestaltungsangebote schaffen Kommunikation
Gemeinsam mit den Künstler*innen Katrin Leitner-Peter, Mareike Wieland und Marcel de Medeiros wurden passende Aktionen für den Platz entwickelt. Die Herausforderungen der offenen Angebote auf dem Platz, inspiriert von Katrin Leitner-Peter, bestanden darin, die Kinder und Jugendlichen heraus aus ihrer digitalen Welt rund ums Smartphone hinein in ein analoges Lebensgefühl zu holen, und so den Platz mit eigenen konkreten künstlerischen Ideen zu füllen. Dabei entstanden wunderbare Möbel aus Pappe, ganze Häuschen zum Schutz gegen die gleißende Sonne, neonbunte Wegmarkierungen und vieles mehr. Gegen Ende der Aktionstage ließen sich sogar Schüler zum gemeinsamen Geige Spielen auf dem Platz nieder. Der Gegensatz von ruhebedürftigen Senior*innen einerseits und aktiven Schüler*innen andererseits auf dem Platz war immer deutlich spürbar, berichteten die Projektleiterinnen. Daher bot eine Meckerecke an der Tramhaltestelle, wo jede/r loswerden konnte, was so bewegte, eine ideale Möglichkeit zum ersten Schritt zum Dialog. Angepinnte Fragen an den vorhandenen Bänken „Wie sitzt Du?“ reagierten auf unterschiedliche Ansichten in den Generationen – zum Unmut der Älteren säßen Jugendliche oft auf den Lehnen der Bänke oder lümmelten auf dem Boden.

Graffiti und Spurensuche rund um den Platz
Die beiden 3-Tages-Workshops „Graffiti – Kunst oder Schmiererei?“ und „Mit Kunst den Platz auf den Kopf stellen“ waren mit je 15 Teilnehmer*innen von 8 bis 71 Jahren gut und ausgewogen besucht. Der Graffitikurs von Marcel de Medeiros wurde anfangs besonders von den Senior*innen in der Nachbarschaft skeptisch beäugt. Wie die Kursbezeichnung schon andeutete, sah man das Vorhaben als Schmiererei an. Doch das Ergebnis – ein Wandgemälde, das mit witzigen Details versehen Kaufungen zeigt, wird nun von den Anwohner*innen begeistert angenommen und soll in der Gemeinde auf jeden Fall einen Ehrenplatz erhalten. Letzten Endes hatte die Aktion sogar einen weiteren nachhaltigen Effekt, denn zwei Teilnehmer*innen, eine 50-jährige Frau und ein Jugendlicher, wollen sich weiterhin zum gemeinsamen legalen Sprayen treffen. Bei der künstlerischen Spurensuche mit Mareike Wieland drehte sich Vieles um die Erfassung und Wahrnehmung von Strukturen, es wurden aber auch Schatten gesammelt und Gesichter getauscht. Hier nahmen vot allem Frauen aus allen Altersstufen, die sich bei der gemeinsamen Suche sehr gut aufgehoben und inspiriert fühlten, teil. Die prozessorientierte Arbeit aller Künstler*innen wurde durch den positiven Zuspruch und die gute Beteiligung belohnt: Viele der Besucher*innen waren länger auf dem Platz geblieben, als sie vorhatten, viele Diskussionen wurden geführt und es wurde auch sehr viel gemeinsam gelacht. Dabei zeigte sich, dass Kunst als Äquivalent zum vorhandenen Platz genauso einen Freiraum darstellt, den es zu nutzen lohnt.

Am Präsentationsnachmittag darf gemeinsam gefeiert werden
Der Samstagnachmittag war dann reserviert für die Vorstellung der Ergebnisse der Woche. Eine Fotoshow ließ die aufregende gemeinsame Zeit Revue passieren, der  Chor „Haste Töne“ sang flotte Lieder in vielen verschiedenen Sprachen, man drehte eine Runde über den Platz und tauschte sich bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen angeregt aus. Schließlich gelang, was evoziert war: Die Aktionen rund um den Platz hatten die Kommunikation zwischen den Platzanwohner*innen gefördert und vielleicht auch dazu beigetragen, dass der Platz zukünftig besser als Ort der Gemeinschaft genutzt werden wird.
si

Weitere Informationen
Projektbeschreibung
Projektwebsite

Fotos aus der Aktionswoche (weitere Fotos sind auf der Projektwebsite zu sehen)

Webredakteur-LKB

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