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Museum Rüsselsheim wird sinnlich erfahrbar

Gemeinsam mit Basis e. V. – Mainspitze hatte das Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim in den Herbstferien eine Projektwoche für Jugendliche mit Beeinträchtigungen ausgeschrieben. Vorgesehen war eine Zeitreise durch drei Epochen mit dem Ziel, einen kreativen Zugang zu den Inhalten des Museums zu entwickeln und daraus eine theatrale Aufführung zu gestalten.

Muckefuck und Maggi riechen gut
Eine Woche lang konnten Jugendliche mit Beeinträchtigungen im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim in drei verschiedene Epochen eintauchen. Die Eisenzeit, das Mittelalter der Landsknechte und das ausgehende 19. Jahrhundert wurden dabei lebendig. Wesentliche Punkte bei der Vermittlung spielten gerade die sinnlichen Eindrücke: Rauch, Stroh und Tabak wurde gerochen, Fell gefühlt, Maggi und der Ersatzkaffee „Muckefuck“ probiert. Die Teilnehmer*innen sollten die Gelegenheit bekommen, die jeweilige Epoche mit allen Sinnen zu erfahren und die Eindrücke dadurch in ihr Körpergedächtnis zu holen, um sich so mit der Vergangenheit zu verbinden. Dabei schlüpften die Teilnehmer*innen natürlich auch in die Kleidung der jeweiligen Zeit. Als besonderes Highlight ging es ins Staatstheater Mainz, um dort hinter die Kulissen zu schauen und sich auf die eigene Präsentation vorzubereiten.

Die Zeitreise beginnt mit dem magischen Schlüssel
Am Freitagnachmittag, dem letzten Tag der Woche war es dann endlich soweit Gäste einzuladen, um die gemachten Erfahrungen in einem Theaterstück zu teilen. Dem Publikum reichte man die verschiedenen Gerüche der unterschiedlichen Zeiten zum Einatmen und erzählte bildhaft von den wichtigsten Hintergrundinformationen der Epochen. Per geräuschvoller Zeitmaschine und mit dem richtigen Zeitschlüssel bestückt ging es dann zu den Landsknechten mit einer kleinen Szene, die den Lebensalltag darstellte – die Landsknechte liebten das Spiel mit den Würfeln. Anschließend wanderte das bunte Ensemble mit seinem Publikum durch das Museum zu den Dampfmaschinen. Fabriklärm war zu hören, es wurde geschraubt und gehämmert und schließlich noch die Hand des Herrn Opel gedrückt. Unter großem Applaus bekamen alle Beteiligten zum Abschied eine Rose mit auf den Weg.

Lebendiges Museum in Rüsselsheim verstetigt sich
Bereits seit 2016 bietet das Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim unter dem Projekt „StadtMuseum inklusive: beteiligen – nicht behindern!“ Angebote explizit für Menschen mit Beeinträchtigungen, um dergestalt Kultur für alle aktiv möglich zu machen. Für das Vorhaben wurde das Museum bereits von der Kulturstiftung des Bundes gefördert, so Gudrun Senska, stellvertretende Museumsleiterin. Mit Cornelia Röhlke hat das Museum für die Projektleitung des inklusiven Stadtmuseums eine langjährig erfahrene Vermittlerin an Bord. Gemeinsam mit dem Verein Basis e. V. – Mainspitze, der sich ebenso um Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen bemüht, rief man in diesem Jahr eine Projektwoche speziell für Jugendliche aus. Dazu holte man sich mit dem Theater 3D aus Wiesbaden hoch qualifizierte Theaterleute ins Haus, die, neben Themen wie Bildung und Gewaltprävention, besonders auf inklusives Theater mit allen Sinnen spezialisiert sind. Eine durchweg runde Sache, die mit der Begeisterung und dem Spaß, den die gut ein Dutzend Teilnehmer*innen hatten, belohnt wurde.
si

Weitere Informationen
Projektwebsite
StadtMuseum inklusive Rüsselsheim
Theater 3D
Basis e. V. – Mainspitze

 

Webredakteur-LKB

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