Kulturkoffer » Das Marburger Schlossgespenst verzaubert Groß und Klein

Das Marburger Schlossgespenst verzaubert Groß und Klein

Das Schlossgespenst Elsbeth tobt nicht zum ersten Mal im Marburger Landgrafenschloss. Die sechste Produktion ist allerdings eine ganz besondere, denn diesmal haben Schülerinnen und Schüler der Astrid-Lindgren-Schule gemeinsam mit dem Wiener Komponisten Maxim Seloujanov die Musik zum Stück komponiert und die szenische Umsetzung mit den beteiligten Künstler*innen erarbeitet.

Pinocchio auf der Suche nach dem Menschsein
Mit ganz unterschiedlichen Figuren aus Märchen und Sage erlebte das uralte Schlossgespenst Elsbeth auf dem Landgrafenschloss zu Marburg schon das eine oder andere Abenteuer. Diesmal hat sich Pinocchio aus dem fernen Italien aufgemacht, um die Fee zu suchen, die den kleinen Holzjungen zum Menschen machen kann. Doch das Schlossgespenst Elsbeth, die flötende Schnecke Schinya und Pinocchio haben keinen guten Start, da Pinocchio die Spinne des Gespenstes zertritt, um Elsbeths Aufmerksamkeit zu bekommen und sich auch sonst eher als kleine Nervensäge entpuppt. Erst als Pinocchio aufgrund seiner Ungezogenheit in den Hexenturm eingesperrt wird und jämmerlich klagt, hat Elsbeth Mitleid und bringt ihn zu Dr. Ohrwurm, der einen Weg findet, Pinocchios Wunsch nach der Menschwerdung in Erfüllung gehen zu lassen.

Eine kurzweilige mobile Theaterinszenierung führt quer durch das Schloss
Startpunkt der explizit aktiv ausgelegten Theateraufführung ist der Innenhof des Landgrafenmuseums, wo alle Teilnehmer*innen erst einmal mit einem Aufkleber markiert werden. Die Zuschauergruppe wird sodann vom Spukfinder Manfred Brücker durch die einzelnen Stationen geführt. In der Schlosskapelle beginnt das kleine Drama um Leben und Unendlichkeit. Gemeinsam geht es durch das Schloss, über Wendeltreppen hinauf und schmale Flure entlang. Im Hexenturm darf sich das Publikum auf kleine Verliesräume aufteilen. Von oben schauend auf der Treppe aufgereiht erleben die Zuschauer im Brunnenraum das aufregende Finale. Musikalisch trifft bei der Inszenierung eine Bassflöte auf Operngesang und Rapmotive, was dem Stück eine ganz besondere Frische und Vielschichtigkeit verleiht.

Partizipative Teilhabe am kulturellen Schaffensprozess für die Schüler*innen
Bereits seit August 2017 wurde an der Entstehung des Stückes mit den Schüler*innen der Marburger Astrid-Lindgren-Grundschule gearbeitet. Im ersten Halbjahr waren die Schüler*innen in der KOMPOSITIONSWERKSTATT ganz mit der musikalischen Umsetzung beschäftigt, wählten das maßgebende Instrument und überlegten sich die musikalische Stimmung zu den einzelnen Szenen. Schließlich drehte sich im zweiten Halbjahr in der OPERNWERKSTATT alles um die Umsetzung der Operninszenierung. Gemeinsam wurde das Kostüm der Schnecke entwickelt, es konnte beim Zauberkünstler Juno (im Stück Dr. Ohrwurm) in die Welt des Zauberns und bei Lena Kießling in das Puppenspielen geschnuppert werden. Bei den Proben waren die Kinder natürlich auch dabei und – wer Lust hat – spielt im Stück schließlich als Mensch gewordener Pinocchio mit.

Die Arbeit mit Profis motiviert
Außerschulische Projekte, die mit einem Schaffensziel und unter dem Einfluss verschiedenster Profis ganz diverser Sparten begleitet werden, können die Motivation zum Lernen auch gerade bei lernschwachen Schüler*innen enorm anheben, meint die Projektleitung und Regisseurin des Stückes Enke Eisenberg. Natürlich wurde immer sehr genau darauf geachtet, die Kinder mit den Aufgaben nicht zu überfordern, sondern sie im Gegenteil ganz spielerisch zur eigenen Grenzüberschreitung anzuregen. Dass alle nach diesem langen Prozess sehr stolz auf ihr gemeinsames Ergebnis sind, gibt der gewählten Methode recht: Pinocchiodarsteller David, neun Jahre, strahlt über das ganze Gesicht, als er als Mensch gewordener Pinocchio aus der „Umwandlungs-Kartonage“ steigt und auf dem Brunnenrand herumtollen darf. David hätte sich auch sehr für die Tuba als Instrument der Schnecke an Stelle der Bassflöte ausgesprochen, aber in der Gruppe gilt es, Kompromisse zu schließen zu lernen. Besonders die Erfahrungen im Zaubererworkshop nimmt David als Inspiration mit nach Hause.
si

Weitere Informationen:
Weitere Vorstellungen am 15.+16.+17. Juni
Karten sind erhältlich unter www.reservix.de
musica europa

Webredakteur-LKB

Webredakteur-LKB

Comments are closed here.