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Darmstadts Moller-Kids heizen ein

Der Spielclub des Theater Moller Haus lud in diesem Jahr gleich zu zwei Theaterstücken ein. Begonnen hatte der Verein Freie Szene Darmstadt mit dem Jugendtheaterclub Querspieler*innen 2016 – neu dazugekommen sind in diesem Jahr nun die Moller-Kids – der jüngste Nachwuchs. Bei beiden Stücken drehte sich alles um Sicherheit und Verunsicherung.

Seid ihr sicher?
Die Initiatoren des Theaterprojekts brachten in diesem Jahr mit Seid ihr sicher? den Themenkomplex der Sicherheit auf den Plan. Die im Vorfeld der Stückentwicklung sehr intensive Auseinandersetzung der Teilnehmer*innen mit dem gesetzten Thema ist im Spielclub bei jeder Produktion ein wesentlicher Projektbestandteil. Während die Jugendlichen sich in ihrer Recherche über Cyberkriminalität mit dem Chaos Computer Club beschäftigten und die Sicherheit oder Freiheit des Internets hinterfragten, durften die acht bis zehn Jährigen die hessische Polizei besuchen. Dort gab es eine Führung und man konnte einmal miterleben, wie sich die 24-Stunden Zelle von innen anfühlt. Die Erfahrungen, die die Teilnehmer*innen bei der Recherche in der Realität machten, dienten als Basis für die Erarbeitung der Stücke.

Das Dschungelbuch – eine Kriminalgeschichte
Neben dem Besuch der Polizei sollten den Moller-Kids zur Entwicklung ihres Stückes die Dschungelbücher von Rudyard Kipling als weitere Inspirationsquelle dienen. Doch was sollten sie damit anfangen? Die ersten spontanen Reaktionen der neun jungen Darstellerinnen zwischen neun und zwölf Jahren flossen auch gleich als schwungvoller Prolog ins Stück ein: Wir wollten dramatisch und frei sein, singen und tanzen, aber nun sollten wir uns mit dem Dschungelbuch zum Affen machen! Doch schließlich hatten sie Feuer gefangen und entwickelten aus ihren Erfahrungen in Kombination mit dem fiktionalen Stoff eine pfiffige Kriminalgeschichte im Bandenmilieu von Mumbai.

Mumbai hat zwei Realitäten – Armut und Glitzer
Stolz und aufgeregt präsentierte die zufällig reine Mädchengruppe am letzten Novemberwochenende ihr fulminantes Stück. Denn die jungen Damen hatten sich einiges einfallen lassen, um ihrem vorherigen Anspruch ans Theaterspielen trotz oder gerade wegen des gesetzten Rahmens gerecht zu werden. Sie versetzten Mowgli in den Großstadtdschungel von Mumbai, um ihn dort zwischen sich bekriegenden Banden seinen Weg finden zu lassen: Nichtsahnend entwendet Mowgli dem größten Boss der Stadt das lebenswichtige Handy. Nun wird er von den einen gejagt, von den anderen benutzt oder geschützt. Jede der jungen Darstellerinnen darf einmal als Mowgli auftreten – Zeichen dafür ist die rote Kopfbedeckung. Und es wurde tatsächlich gesungen und getanzt und in höchster Dramatik eine Slow Motion Kampfszene dargeboten.

Nicht nur thematische Verschränkungen
Auch wenn beide Gruppen jeweils ihre eigenen Stücke unter Berücksichtigung verschiedenener Schwerpunkte entwickelten, gab es doch kleine Überschneidungen: Die Moller-Kids durften zum Beispiel ihre Stimmen für die Jugendlichen bereitstellen. Besonders aufregend wurde es natürlich, als es daran ging, die Stücke der jeweils anderen Gruppe vorzuführen. Groß nun nach der Dernière die Erleichterung der Moller-Kids, dass alles so gut geklappt hat. Aber, dass die spannende gemeinsame Zeit nun erst mal vorbei ist, stimmt nicht nur die Mädchen, sondern auch Projektleiterinnen Nele Hoffmann und Julia Lehn traurig. Doch natürlich gibt es auch für nächstes Jahr wieder spannende Pläne für die Querspieler*innen und die Moller-Kids.
si

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Projektwebsite

Webredakteur-LKB

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