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Jugendliche performen in Bad Vilbel

Bereits zum dritten Mal konnten sich Jugendliche aus Bad Vilbel und Umgebung bei spannenden Angeboten des Kunstvereins Bad Vilbel kreativ ausprobieren. Eine Performance am 12. September im öffentlichen Raum vor dem Kultur- und Sportforum Dortelweil beeindruckte die Zuschauer*innen und erfüllte die zwölf Performer*innen und drei Workshopleiter*innen mit Stolz.

Gesang, Tanz und bunte Kunstwerke unter freiem Himmel
Das zarte Licht der untergehenden Sonne erzeugte eine perfekte Stimmung für die Performance „ich und wir“ unter freiem Himmel. Mit einem weißen Tape wurde zunächst der Performanceraum bestimmt, in dem dann zwei Tänzerinnen ein professionelles Duo darboten, bei dem durchaus auch das ein oder andere Rad geschlagen wurde. Für die musikalische Untermalung sorgten Percussioninstrumente unter der Leitung von Peter Koch aus der Musikschule Bad Vilbel. Menschengroße, buntbemalte Scherenschnittköpfe, sogenannte Cut-Outs, dienten als Bühnenbild und wurden zu den Auftritten verschiedentlich arrangiert. Die schwarz gekleideten Performer*innen brachten auch ein Stück Fassade des Kunstvereins in Form eines riesigen Banners in die Darbietung mit ein. Souverän und mutig sangen die Teilnehmenden solo Lieder verschiedener Musikstile von Pop bis Rap oder rezitierten Gedichte, während sich andere mit dem Bühnenbildarrangement und unterschiedlichen Körperposen auf die Darbietung inhaltlich bezogen. Schließlich stimmten alle in einen gemeinsamen Song ein, der sich mit der Definition von Freiheit in der Welt der Jugendlichen beschäftigte und dem Publikum tosenden Applaus entlockte.

Freiheit heißt…gib mir Raum
Der Text des gemeinsamen Abschlussliedes spiegelte im weitesten und auch engsten Sinne die Arbeit des diesjährigen Projekts Get connected und damit der kompletten Idee des Vorhabens Kunst stärkt seit Initiierung wider. Der Kunstverein Bad Vilbel hatte es sich bereits im Herbst 2017 zur Aufgabe gemacht, den ortsansässigen Jugendlichen Raum zu geben – auch hier im doppelten Sinne: Die große Zukunftsvision, an der weiterhin gearbeitet wird, ist es, einen Treffpunkt für kreativ tätige Jugendliche zu schaffen. Auf dem Weg dahin wurden seither Jugendlichen viele verschiedene Möglichkeit geboten, den eigenen inneren Kreativraum zu entdecken und gleichzeitig den öffentlichen Raum als Ausdrucksfläche der inneren Befindlichkeit zu erweitern. Mehrere Hausfassaden in und um Bad Vilbel wurden bereits für die Urban Art der Heranwachsenden zur Verfügung gestellt und beleben seither das Stadtbild. Die Jugendlichen lernten so einiges über Graffiti-Kunst, Bohren und Schrauben, verschiedenen Kunsttechniken und vor allem auch dem Visualisieren von Ideen von kleinsten Skizzen hin auf eine große Fläche. Für viele erweitere sich dadurch tatsächlich sowohl der innere als auch der äußere Freiraum.

Bildende Kunst trifft Stimme und Körper
Neu in diesem Jahr war die Zusammenarbeit mit der Musikschule Bad Vilbel. Als Ziel hatten sich die Projektleiter*innen eine abschließende Performance gesetzt, allerdings hatte man keine strengen Vorgaben getroffen. Gemeinsam wurde an Performancetechniken, Bühnenbildgestaltung, Gesang und Stimme sowie Text gearbeitet. Insgesamt 22 Teilnehmende waren im Verlauf des Projekts seit Mai dabei, den Schritt auf die Bühne haben zwölf gemacht, wobei auch darunter der eine oder die andere erst ganz zum Schluss den Mut dazu aufgebracht hatte und dafür jetzt reich belohnt wurde. Dass so viele der Jugendlichen frei und mutig ihre Solo-Performances zum Besten gaben, lag sicherlich auch an den Projektleiterinnen Nicole Wächtler (Design), Ingrid Strohkark (Bildende Kunst) und Sabine Bechtold (Gesang), die den wertfreien Raum für eine solche Erfahrung erst möglich machten. Denn in heutigen Zeiten lebe man bereits als Kind unter großem Leistungsdruck, meint Sabine Bechtold, was sich bei einfachen Übungen wie der Blitzlicht-Methode bemerkbar mache, wenn viel zu häufig das Wort „Stress“ aufkomme.

TapeArt und Zukunfts(t)räume
Die erste Vorsitzende des Kunstvereins, Cornelia Weinheimer stellte bei der Dankesrede noch einmal die Relevanz von Kunst- und Kulturerfahrung, der Entwicklung des eigenen Stils und Geschmackes sowie der Zugehörigkeit zum und Wohlbefinden im direkten Umfeld für die Persönlichkeitsentwicklung fest und freute sich – zu recht voller Stolz – mit dem Verein genau zu diesen Grundwerten einen Beitrag zu leisten. Zwar musste die kreativ-kunstvolle TapeArt der Jugendlichen an der öffentlich-städtischen Fassade des Kunstvereins leider dem neuen Anstrich zur Vorbereitung der Stadt auf den kommenden Hessentag weichen, die Ziele für einen von und für Jugendlichen frei gestalteten Kunstraum als Treffpunkt bliebe aber bestehen, ist Margot Vetter-Hetherington vom Kunstverein überzeugt. Gerade, weil heutige Verabredungen vor allem digital stattfänden und kaum mehr Zeit für Langeweile übrigbliebe, sei ein offener Zukunftsraum umso relevanter für ein spontanes und vor allem kreativeres Lebensgefühl.
si

Weitere Informationen
Website des Projekts Kunst stärkt
Projektbeschreibung
Artikel in der Wetterauzeitung vom 15.05.2019

Webredakteur-LKB

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