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Open-Air-Theaterperformance in Schwalmstadt

Zur großen Abschlusspräsentation vor den Sommerferien zeigten Schüler*innen einer achten Klasse der Carl-Bantzer-Schule in Schwalmstadt-Ziegenhain gleich dreimal hintereinander ihre Theaterperformance vor Mitschüler*innen und Eltern. Gemeinsam mit dem Theater mittendrin aus Fulda hatten sie während einer Intensivwoche aus biografischem Interviewmaterial ein performatives Theaterstück mit Musik entwickelt.

Theaterperformance Open Air an einem Sommernachmittag
Das Publikum wurde auf dem Westhof der Carl-Bantzer-Schule von Szene zu Szene des performativen Theaterstücks „Neu, fremd, anders, cool!“  geführt. Als Bühnenbild dienten verschiedene Stellen des Spiel- und Aktivplatzes, von Sandkasten bis Kletterwand. Die Aufführungen unter freiem Himmel stattfinden zu lassen, war tatsächlich eine großartige, wenn gleich zufällig entstandene Idee. Ursprünglich sollte das Atrium der Schule Spielort sein. Doch die Umstände verlegten die Performance ins Freie und boten den Szenen eine winddurchströmte, sonnenbeschienene und dadurch sehr atmosphärische Kulisse.

Thema früher/heute und die Frage nach der besseren Welt
Die Szenen des Stücks setzten sich mit dem Aufwachsen und dem gesellschaftlichen Miteinander in der heutigen Zeit im Gegensatz zu Erfahrungen der Eltern- oder Großelterngeneration auseinander. Im Vorfeld der Intensivwoche hatten die Teilnehmer*innen den Arbeitsauftrag, Menschen aus der Eltern- oder Großelterngeneration ihres Umfeldes zu interviewen. Das gesammelte Material diente als Grundlage für die Konzipierung des Stücks. Verschiedene Situationen wurden dann in der jeweiligen Zeit durchgespielt und gegenübergestellt. Gerade die Szene einer Unterrichtssituation verdeutlichte sehr präzise die Vor- und Nachteile in den jeweiligen Zeiten: Während der Unterricht früher sehr viel strenger und brutaler, aber auch konzentrierter vonstatten ging, so findet man heute sehr viel Freiheit und das Ausleben der Persönlichkeiten zulasten des Respekts vor der Lehrkraft.

Treffende Sprachcollage schwebt über allem
Zentrale Fragen, wie „Was würdest Du gerne mal kennenlernen?“, „Was findest Du befremdlich?“, „Was ist heute anders, als zu der Zeit, als Du vierzehn warst?“ oder „Was findest Du an unserer Generation cool?“, wurden an gezielten Stellen mit den entsprechend vielfältigen Antworten, wie „Fremde Länder und Kulturen.“, „Das Leben war beschaulicher.“, „Nix ist cool an der heutigen Generation.“, „Da ist doch kein Respekt mehr.“ oder „Früher schrieb man sich noch Briefe und heute schaut man sich beim Reden schon nicht mehr in die Augen.“ eingesetzt. Dies geschah auf unterschiedliche Weise, entweder als gesprochene Collage vom Band oder durch direkte Auftritte der Teilnehmer*innen, die die Geschichten ihrer Mütter, Väter und Großeltern erzählten – sogar auf Polnisch.

Musikalischer Schwerpunkt kristallisiert sich heraus
Barbara und Christoph Gottwald vom Theater mittendrin haben gemeinsam mit Jessica Stukenberg vom Freien Theater Fulda mit den Heranwachsenden das Stück erarbeitet. Die drei sind sehr stolz auf ihre Gruppe, weil die Teilnehmer*innen sich in kurzer Zeit sehr dem Projekt geöffnet, eher schüchterne Persönlichkeiten die Gelegenheit zur Selbstdarstellung genutzt und sich insgesamt im Laufe der Arbeit immer solidarischer und kollegialer verhalten haben. Die Gruppe hatte zunächst eher die Vorstellung von klassischem Theaterspiel und musste sich auf eine freie performative Form tatsächlich erst einlassen, so Barbara Gottwald (Schwerpunkt Schauspiel). Aber schnell war der Damm gebrochen, als die musikalische Begeisterung von vielen zutage kam und auch ins Stück einbezogen werden konnte, meinte Christoph Gottwald (Schwerpunkt Musik). Gleich drei Teilnehmer*innen der 20ig-köpfigen Gruppe gaben Songs, wie „Hallelujah“ (Originalversion von Leonard Cohen) mit vortrefflichen Singstimmen selbst begleitet auf Gitarre oder Keyboard zum Besten. Gemeinsam im Chor sangen alle zum Schluss „Die Gedanken sind frei“ und riefen dem Publikum und damit ihrer Elterngeneration ihr Fazit zu: „Früher war alles besser! – Früher ist das heute von gestern!! – Wir sind genauso cool wie ihr damals!!!“
si

Weitere Informationen:
Website der Carl-Bantzer-Schule
Website des Theaters mittendrin

Webredakteur-LKB

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