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Utopien zum Greifen in Gießen

9 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren verbrachten eine Osterferienwoche lang im Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung (ZIBB) in Gießen, um sich mit den Künstler*innen Katharina Speckmann und Kim Willems den eigenen Zukunftsutopien zu widmen. Dabei entstand ein berührender performativer Spaziergang rund um das Begegnungszentrum, der am Sonntag, dem 28. April mit den Eltern und interessiertem Publikum begangen wurde.

„Wenn Sie mich hören – Daumen hoch!“
Aufgeregte Stimmung herrschte im Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung am Sonntagnachmittag. Gespannt warteten die anwesenden Eltern auf den Beginn von UTOP, dem multimedialen Streifzug an utopische Orte entsprungen aus der Fantasie ihrer Kinder. Als endlich die Musik ertönte, führten die jungen Darsteller*innen in die Modalitäten des außergewöhnlichen Spaziergangs ein: Ein Kopfhörer musste von allen Teilnehmer*innen getragen werden, um den Anweisungen Folge leisten zu können. Dann ging es „Wenn Sie mich hören – Daumen hoch!“ von Station zu Station. Dabei musste man sich auf alle Arten der Fortbewegung einlassen. „Sehen Sie den schiefen Baum da hinten? Rennen Sie so schnell wie möglich dahin! Hüpfen Sie bis zum Anhänger auf dem kleinen Parkplatz dort. Bitte gehen Sie rückwärts bis zur Bank. Sehen Sie die bunte Hauswand? Dorthin gehen Sie in Slow-Motion!“

Vom Wunschhaus zum ‚Superlidl‘ – alles futuristisch weitergedacht
Auf dem Weg galt es dann, sich auf die unglaublichsten Zukunftsorte einzulassen. Im ‚Halalulia-Haus‘, dem Wunschhaus der Zukunft, ist stets ein schreibender Roboter zugegen. Im ‚Fischmobil‘ gibt es ein leckeres Restaurant. Der ‚Weltbaum‘ produziert Sauerstoff und auf ihm leben alle möglichen Arten von Tieren, von Insekt bis Affe. Die ‚Apfelsafthütte‘ hat eine enorme Geschichte von Werwölfen, Zombies und dem 4. Weltkrieg zu erzählen. Die ‚Klettermagnethalle‘ mit schwebenden Bällen dient als Spielplatz der Zukunft. Schließlich der ‚Glasshop‘, indem man seine Einkäufe nur in Gläser abfüllen darf und der ‚Superlidl‘, der sogar eine generationsübergreifende Disco auf dem Dach beherbergt und nur mit Skateboards zu betreten ist.

Geschichten um Freundschaft gibt es in allen Zeiten
Die verschiedenen Zukunftsstätten erweckten die jungen Theatermacher*innen mit kleinen Szenen zum Leben. Ein Einbrecher im ‚Halalulia-Haus‘ musste von den Freund*innen gejagt und gefasst werden. Viele verschiedene Tiere kreisten um den ‚Weltenbaum‘, während sich im Restaurant des ‚Fischmobils‘ alle zuprosteten und „auf die Zukunft, in der alle gesund sind und es auch gutes Klima gibt“, anstießen. Auch die beiden Kontrahentinnen der Einkaufsutopie, Malek und Kira, schlossen nach kleinen Kämpfen schließlich im ‚Fischmobil‘ bei gemeinsamem Salat wieder Freundschaft. Und so endete das fantastische Theatererlebnis mit Wünschen für die Zukunft: „Essen, das vom Himmel fällt und nicht dick macht; dass alle gesund bleiben; gleiche Uniformen“ und vor allem „viel Erfolg“.

Angebote des ZIBB sind beliebt
Einige beteiligte Kinder kannten die Angebote des ZIBB bereits durch die Geschwister und folgten deren Begeisterung, dass es an diesem Ort immer wieder spannendes zu erleben und zu entdecken gibt. So erzählte eine Mutter, dass für ihre Tochter die Teilnahme am Osterworkshop erste Priorität für die Freizeitgestaltung in den Ferien gewesen sei und sogar eine Reise zu den Verwandten ins Ausland keine Alternative darstellte. Dabei forderten die beiden Künstler*innen Speckmann und Willems in den 6 Tagen so einiges von der Gruppe. Zunächst wurde das Umfeld genau erforscht – was ist zu sehen, was zu hören, was zu spüren? Jedes Kind entschied sich für einen Ort und entwickelte hier die eigene Zukunftsvision. Gemeinsam wurden die Spielszenen erarbeitet und der Parcours festgelegt. Schließlich musste auch die Technik verstanden und angewandt werden, denn zum einen funktionierte der Spaziergang über Live-Einsprache mit Headset und zum anderen wurde darauf noch eine weitere Tonspur mit Musik und Geräuschen gelegt. Die Organisator*innen vonseiten des ZIBB waren stolz und begeistert, dass sich alle wohl in der Begegnungsstätte gefühlt haben und dabei ihr kreatives Potenzial freigesetzt werden konnte. Gerade mit den beiden Künstler*innen habe man schon einige tolle Projekte anbieten können. Schaut man sich auf der Website des Zentrums um, versteht man die Beliebtheit des Ortes, denn er ist offen für alles: Von polnischem Kulturabend über lateinamerikanische Tanznacht zu Lach-Yoga kann hier so einiges gemeinsam erlebt werden.
si

Weitere Informationen
Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung e. V.
Katharina Speckmann
Kim Willems

Webredakteur-LKB

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